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So war er, mein Benno! – Zur Ausstellung „Kommen Gehen Bleiben“ von Günter Kiefer-Lerch

Die Reden werden geschwungen, nicht unbedingt die besten. Man merkte schnell, wer Benno kannte und wer nur aus Erzählungen. Der Ahrenshooper Freund, der mit kurzen Worten das beste Portrait Bennos zeichnete schloss: So war er, mein Benno! – und unserer auch.

Die von Benno statt Günter sprechen sind die Freunde, die Weggefährten aus alten Zeiten. Im Dornenhaus in Ahrenshoop kamen viele von ihnen vor zwei Wochen zusammen, um seine neue Ausstellung zu feiern. Er selbst ist schon vor zwei Jahren gegangen – und irgendwie nicht. Es werden hier späte Arbeiten gezeigt. Im Gegensatz zu den Jahren vor der Wende, in denen er als Illustrator und Satiriker beschäftigt war, wandte er sich mehr der Malerei und dem Pastellzeichnen, statt Radierung zu – immer mit überraschendem Blick und immer irgendwie doch mit dem kleinen Zwinkern, dass man nur sehen muss. So war er eben, der Benno. Auch eine kleine Auswahl seiner satirischen und illustratorischen Arbeiten sind zu sehen, bilden allerdings ausdrücklich nicht den Schwerpunkt. Denn hält man beides nebeneinander, mag mancher den Künstler nicht wieder erkennen.

Ein Besuch lohnt sich in jedem Fall noch bis zum 16. Mai in jedem Fall. Auch das Dornenhauses selbst lohnt sich. Es ist eines der ältesten Häuser des Ortes und lässt erahnen, wie schön es einst dort war. Den Eigentümern, selbst Künstler, die im Ort bleiben konnten und weiter ihre Fischlandkeramik anbieten,  ist es gelungen, es sorgfältig mit viel Liebe zu restaurieren und der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen.
Auch für mich war es eine Rückkehr, war das Haus einige Jahre mein Kindergarten. Ich erinnere mich an den weiten Blick hinten zum Bodden raus. An die Nacktschnecken auf dem kleinen Trampelpfad zum Haus, der heute ein breiter Weg ist. Skulpturen im Garten die Spielwiese abgelöst, doch der alte Baum steht noch und könnte Geschichten erzählen.

Geschichten auch von Benno, von P. und D., Tochter und Lebensgefährtin. Ahrenshoop hieß Sommer. Winter hieß Berlin. Berlin, der große Schreibtisch im Wohnzimmer vor dem Balkon. Hier saß Benno mit dem Blick nach draußen auf die Johannes-R.-Becher-Straße, die heute wieder eine Breite Straße ist. Der alte knarzende Stuhl, der so viel bequemer war als er aussah. Wir Kinder mittendrin. Von Benno lernte ich, wie man Radierungen anfertigte, als andere Kinder noch Buntstifte abbrachen. Der Geruch der Ausziehtusche, die vielen verschiedenen Federn, an denen wir uns bedienen durften, um unsere eigenen Kunstwerke zu zeichnen. All das ist Benno für mich. Meine  Mappe für den Kindergarten gestaltete er. Ich habe sie noch – ergänzt durch eigene „Verschönerungen“ einer Dreijährigen. Meine erste Wohnung hatte Benno an den Wänden. Grafiken. Klein und voller Witz, Wortspielereien.
Sein Pleitegeier ziert auch heute meinen Baumwollbeutel. Ohne Bennos Humor geht es eben nicht. Durch Benno wusste ich früh, dass Kunst Arbeit ist, Handwerk und Beobachtung.

Als Benno vor zwei Jahren ging, ging auch ein Stück Kindheit. Ein Stück heile Welt.

Es ist P. und M., seinen Kindern zu verdanken, dass die Sammlung nicht aufgelöst wurde. Dass sie weiter besteht und dass man sie weiter sehen kann, wie z.B. im Dornenhaus und gelegentlich auch in seinem Atelier in Friedrichshagen, um Benno oder eben dann Günter Kiefer-Lerch immer wieder neu entdecken zu dürfen. Danke dafür.

 

 

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