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Das Glück auf der anderen Seite der Erde.

Er hatte es sich anders vorgestellt. Dieses Glück, das sie ihm versprachen in seinem Dorf. Das Glück in Europa, wo er arbeiten könne und die Familie versorgen. Er wollte, dass sie Glück hätten. Dass sie ein besseres Haus bauen könnten. Vielleicht sogar aus Stein.

So weit war der Weg. So teuer. Und dann kam er an. Sie nahmen ihm seinen Pass. Gaben ihm eine Tasche mit Dingen. Zigaretten. Er solle sie verkaufen. Das wäre seine Arbeit. So würde er seine Reisekosten hier hin bezahlen und auch die Miete für die schmutzige Ecke, in der er seine Nächste verbringen sollte. Durfte. Wenn er genug bezahlt habe, könne er sich richtige Arbeit suchen. Eine Wohnung. Die Familie holen. Das sagten sie. Er wusste nicht, dass das illegal war.

Das war jetzt Jahre her. Noch immer saß er an der Ecke beim Supermarkt. Er saß hinter dem Zaun. Damit sie ihn nicht schnell kriegen konnten. Damit diese kleine Barriere war. Zwischen ihm und wem auch immer. Früher, als die Geschäfte besser liefen, wurde er auch mal gewarnt. Gewarnt vor der Polizei. Gewarnt vor den Schlägern. Beide nahmen ihm die Zigaretten ab und verlängerten so den Weg nach Hause. Denn nur noch das wollte er: wieder nach Hause. Sein Pass war längst abgelaufen.

Er war gefangen in diesem Teil der Welt. Wo man ihm behandelte wie einen Kriminellen. Wo er ein Krimineller war. Und doch, doch eigentlich wollte er doch nur das Glück finden. Ein Glück für sich und seine Familie. All der Optimismus war weg, wenn er nachts auf seiner Matratze lag. Wann hatte er die letzte Nacht allein verbracht? Wann die letzte Nacht mit einer Frau? Würde er je Kinder haben? Wo waren seine Träume? Wann könnte er wieder vor seiner Hütte sitzen? Wann würden sie ihn gehen lassen? Wird er ins Gefängnis müssen? Wird er wieder glücklich sein?

Glück? Das Glück ist hier nicht, in Europa. Da wo die Menschen und die Jahre so kalt sind. Glück ist die Musik, die am Tag die Geräusche und die Beschimpfungen überdeckt. Glück jetzt auch das Leben, dass zurückkehrt, hier auf dieser Wiese, auf der er seine Tage verbringt. Hinter dem kleinen Zaun, wo er sich auch verstecken kann. Glück ist auch manchmal das Lächeln der Menschen, die auch in ihm den Menschen erkennen. Den Menschen, den er selbst schon vergaß.

 

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