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Was hilft.

Die Welt draußen ist an diesem Sonntagmorgen kalt, sehr kalt. Das Thermometer ist später dran als die Gesellschaft, die scheinbar versucht, in immer tiefere Kälte durchzudringen. Ich stehe fassungslos dabei. Vielleicht fühlte ich mich auch hilflos, wenn es da nicht die anderen Dinge gäbe, die etwas dem entgegensetzen und an denen ich teilhaben durfe. Von zweien möchte ich erzählen: dem Symposium „Vom Sprechen und Schweigen über Antisemitismus“ und dem Barcamp „You say hate, we say love“.

Vom Sprechen und Schweigen über Antisemitismus – Symposium des Kompetenzzentrums der ZWST

Das Symposium des Kompetenzzentrums der ZWST fand Mitte November in Berlin statt. Anders als der Titel vermuten lässt, ging es nicht allein um Antisemitismus. Interessierte aus vielen Bereichen reisten an, um sich auszutauschen und in einem geschützten Umfeld in Kontakt zu kommen. Es war ein Experiment. Es gelang. Unsere Ansätze waren verschieden, unsere Erfahrungen mit Diskriminierungen ganz unterschiedlich, wir konnten voneinander lernen aber vor allem eines feststellen: auch, wenn die Dinge anders heißen, unsere Probleme sind die gleichen. Es waren intensive zwei Tage, in denen wir uns nicht immer einig waren. Das allerdings geschah ganz im Gegensatz zum momentanen Mainstream, voller Respekt dem anderen gegenüber, so wie es doch eigentlich sein sollte. Den anderen Anhören, nicht voller Zwang überzeugen wollen, sondern lernen. Muss man die andere Meinung annehmen? Nein, muss man nicht. Genauso wenig, wie man andere um alles in der Welt vom eigenen Denken überzeugen muss und darf.  Man sollte aber immer eines: darüber nachdenken.
Besonders wichtig für mich persönlich war der Austausch über Strategien im Umgang mit Hass. Denn die eine Antwort gibt es nicht. Jeder muss seinen Weg finden. Der eine den lauteren Pfad, der andere den stilleren und manchmal und vielleicht hoffentlich immer öfter, können wir uns ein Stück des Weges begleiten, um uns nicht allein zu fühlen. Nicht jeder Tag ist ein guter, nicht an jedem Tag können wir gleich gut souverän reagieren, nicht immer können wir alles wegstecken, vielleicht sogar seltener als wir es wünschten. Als ich nach zwei Tagen den Pfefferberg verließ, merkte für mich selbst, wie wichtig die direkten Begegnungen sind, das Reden über die Wut, den Schmerz, die Verzweiflung aber vor allem auch über die schönen Dinge und vor allem immer wieder: Humor. Das Reden mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen haben, die verstehen können und die nicht als einzige Lösung das Einstellen der Aktivitäten hervorbringen. Bereits am ersten Abend beobachtete ich eine andere Körperhaltung an mir, die Energie und der Optimismus wurden stärker. Zwei Tage die mich weitertragen und hoffen lassen, dass dieses Experiment des Kompetenzzentrums Prävention und Empowerments der ZWST nicht das letzte seiner Art war.
Danke für die Arbeit, für die Gedanken und Gespräche an das Team. Danke für die Idee und den Mut, etwas Neues zu wagen.

You say Hate, we say love! – Barcamp der Amadeu Antonio Stiftung

Ein anderes Format mit ähnlicher Idee wurde im Rahmen der Aktionswochen gegen Antisemitismus der Amadeu Antonio Stiftung ausgerufen. Es richtete sich vornehmlich an junge Menschen mit Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen. Das Barcamp bot an einem Tag mehrere Workshops durch Teilnehmer an. Die Qual der Wahl: Die i,SlamPoeten erzählten, wie man mit Humor den Hassenden die Werkzeuge wegnehmen könne, die Sozialhelden boten u.a. Hilfestellung bei der Sprachwahl an, die Pottfeministinnen spachen über ihren Blog und ihre Erfahrungen mit Gewalt und Sexismus, Alexander Rasumny berichtete über das Projekt Rent a Jew, Jasna Strick brachte uns bei, wie man GIFs für humorvolle Antworten im Netz schnell mal eben selbst erstellt, Moritz Hoffmann stellte den GeschichtsCheck vor, der jetzt auch offline mit Referenten für Schulen zu buchen ist, Tarik Tesfu filmte und führte reichlich Interviews und nicht zuletzt gab es mit Fella eine Entdeckung am Poetry Slam Himmel. Sie las zwei ihrer Texte zu Hatespeech und verzauberte nicht nur mich damit.

Auch hier der Wunsch, nicht nur von mir, das Format zu wiederholen und vor allem auch in den anderen Bundesländern anzubieten.

Fazit

Beide Formate können unterschiedlicher nicht sein, beide aber gaben mir Kraft und Optimismus mit auf den Weg, dass ich mir mehr davon wünsche, nicht nur für mich, sondern für alle, denen es gut tun kann. Schafft Bündnisse, lernt Euch kennen und unterstützt Euch, im Netz oder da draußen.

Wir können nur gewinnen, einen anderen Weg darf es nicht geben.

photo credit: Jillian Kern frost 1 via photopin (license)

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