Zurück zum Content

Buchbetrachtung: GOLEM, Katalog zur Ausstellung #golemberlin

Ein Buch zur Ausstellung zu lesen, ohne die Ausstellung gesehen zu haben ist ein Experiment für mich. Es ist gelungen. 
Die GOLEM Ausstellung im Jüdischen Museum Berlin (bis 29. Januar 2017) wird begleitet von einem aufwändigen Band erschienen im Kerber Verlag. Ich durfte hineinschnuppern. 

Gedanken hatte ich mir nicht viele gemacht, mich gefreut, dass sich das Jüdische Museum Berlin (endlich) diesem Thema annehmen würde. Der Band, ganz wie der Titel in rot und schwarz gehalten gibt einen ausführliche Einführung zur Geschichte des Golems. Einem Mythos, prominent geworden durch den Stummfilm „Der Golem, wie er in die Welt kam“. Das Bild, das hier durch den eher plumpen Golem geprägt wurde bleibt erhalten und ziert auch den Titel des Katalogs. Nicht zuletzt der Golem in den Simpsons nimmt dieses Bild auf. Der Film wird Grundlage für ein neues Gengre: Horrorfilme. Aber auch die Illustrationen von Hugo Steiner-Prag zu Meyrinks „Der Golem“ werden zur Grundlage vieler Figuren, die diese eine so ganz andere als der Stummfilmgolem zitieren.
Das Buch also geht der alten Geschichte des Golem nach, dieses Märchen, dass da ein Volk sich einen Schützer bauen kann, wenn es ihn braucht. Und es brauchte ihn der Legende nach in Prag, wo Rabbi Löw den Golem erschafft und so die Vertreibung verhindern kann. Wir erfahren etwas von jüdischer Mystik, von Buchstabenbedeutungen, Zahlenspielen aber vor allem und so merkt man bald, geht es hier nicht um eine historische Darstellung. Sie ist lediglich einführung. Das Museum und so auch der Band gehen der Frage nach, wie die Geschichte und die Bilder uns heute noch beeinflussen und bringen auch hochaktuelle Themen, wie den derzeitigen US-Wahlkampf zur Sprache. Es ist, soviel sei vorweggenommen, ein Kunstkatalog, wie auch die Ausstellung mehr der Kunst und dem Film gewidmet ist. Allerdings sind hier, im Gegenzug zu einem klassischen Katalog, die Werke ausführlich durch Themen kommentiert, die ihren Ursprung vielleicht in der Golemfrage haben: Robotik, Cyborgs, Avatare, Mindcraft und die Frage. Ein wirklich gelungener Katalog, der sich auch ohne einen Ausstellungsbesuch lohnt. Diesen aber auch sehr bereichert, ob man ihn nun vorher oder hinterher gelesen hat. Er ist natürlich mit allerlei anderen Dingen für den Golemfreund im Jüdischen Museum zu bekommen oder ganz einfach direkt beim Verlag, wenn man es nicht gleich nach Berlin schafft. Sollte man es aber doch schaffen, so sollte man einen Besuch einplanen.

Gestern hatte ich gemeinsam mit Ulrike Kretzmer vom Museumspodcast Exponiert die Gelegenheit, das Jüdische Museum einfach mal als Gast zu besuchen und wir schafften es auch noch zum GOLEM. Was wir dort entdeckten, können Sie demnächst im Podcast hören.

An dieser Stelle nochmal Dank an Ulrike für die Einladung und an das Jüdische Museum, dass wir da so plappernd durch die Ausstellungen gehen durften. Es war schön, mal wieder „nach Hause“ zu kommen.
Und übrigens, Ulrike hat mir Lust gemacht, wieder selbst zu podcasten. Es wird anders werden, aber es wird was kommen.

Gib als erster einen Kommentar ab

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

zwei × 3 =