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„Ich kann das Gekreische nicht mehr hören!“

Es ist eine Anekdote, wie sie mir oft geschieht, zu oft wie ich finde und ich bin ihrer müde. Ich habe keine Lust mehr, mich damit auseinanderzusetzen, ich habe keine Lust mehr, der Blitzableiter zu sein. 
 

Baustelle mit Denkmalschutz. Ich stehe zufällig daneben. Es geht um Gebäude der NS-Zeit die aus mehrerlei Gründen selten sind, einmalig vielleicht. Endlich ist Geld da, sie wieder etwas in Stand zu setzen, zu nutzen, zu erhalten. Der Firmenchef weist seinen Angestellten ein, was er wegbrechen darf, was nicht, ergänzt mit Augenrollen. Ich merke an, dass es seltene Gebäude sind und Denkmalschutz auf ihnen liegt. „Wie, Denkmalschutz auch noch?“ – Das stand eigentlich in der Ausschreibung, mitsamt der Geschichte des Ortes, mitsamt einem Schreiben, das man unterschreiben musste, dass man sich dessen bewusst ist und sich entsprechend verhalten muss. 
Der Chef nimmt meine Anmerkung zum Anlass, sich nicht etwa über das von Baumenschen ungeliebte Thema Denkmalschutz auszulassen. Auch der Museumsmensch muss mitunter Konzepte komplett umschreiben, darf er es nicht wie geplant machen, weil das Amt es anders will. Er hätte entfernt Verständnis. Nein, es wird die Gelegenheit zur Grundsatzfrage: Warum braucht es das überhaupt. Das ist genug. War ja alles schlimm. Jetzt reicht’s. Ist ja alles ok, dass es das gibt, aber trotzdem. Ich kann das Gekreische nicht mehr hören.“ 
Ich frage nicht mehr, welches Gekreische er meint. Ich kenne die ewig gleiche, ewig falsche Argumentation zur Genüge. Ich mag nicht mehr. Ich gehe. 
Wir hören täglich, dass es der Geschichte genug sei und erleben täglich weniger Wissen um dieselbe. Ich diskutiere nicht mehr. 
Und dann am selben Tag ein Workshop mit Berufsschülern und ein Teilnehmer sagt:

Ich interessiere mich eigentlich gar nicht für Geschichte. Aber das hier war total spannend.

photo credit: Megafon via photopin (license)

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