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Gemeinsame Geschichte – wie man das „wir und die anderen“ vielleicht ändern könnte. Eine Idee.

Suchen Sie im Internet nach Informationen über Juden, bekommen sie in etwa dieses Ergebnis. Es ist für mich ein Synonym dessen, dass etwas nicht stimmt. Es ist ebenso eine bildliche Darstellung dessen, was Menschen mit Juden verbinden. Ich finde, es wird mehr als Zeit, das zu ändern. 

Ich hatte vor zwei Jahren auf der re:publica schon einen Versuch unternommen zu zeigen, dass wir doch ganz anders sind, als diese Bilder suggerieren. Inzwischen habe ich mir ein paar mehr Gedanken gemacht, wie man das ändern kann, wie man auch vermitteln könnte, dass Juden nicht etwa erst kurz vor der Shoa nach Deutschland einwanderten, sondern das sie sehr sehr lange schon integraler Bestandteil dessen waren, was wir heute Deutschland nennen.

Das Problem ist doch, dass wir einfach zu wenig wissen. Das, was in Schule, Universität und Medien vermittelt wird ist entweder dem oben ähnlich oder entspricht etwa dessen, was vor 2016 Jahren Stand der Dinge ist. Wir denken an Klezmer, an Menora Leuchter, an gefilte Fisch und wir, die vermeintlich andere Seite verdrehen die Augen, entspricht es doch nicht dem, wie wir uns vielleicht selbst sehen, womit wir uns verbinden. Und irgendwie ist natürlich das Problem schon darin, wie ich es hier schreibe: „die andere Seite“. 
Ich habe Geschichte in der Schule geliebt, alles aufgesogen. Mein Wissenshunger wurde von klein auf mit reichlich Büchern gestillt. Ich lernte viel. Wie die ersten Siedlungen aussahen (vielleicht), Mittelalter mit seinen Klöstern, seiner Buchmalkunst, seinen Minnesängern, Sagen, Völkerwanderungen, Kriege, Schlachten, Fürstentümer, Barbarossa, Otto, Karl, August, Revolutionen, Schlachten, Kriege….unsere Geschichte ist voll von aufregenden Dingen, von schlimmen Zeiten, von guten. Warum lernt man nichts von Kaiser Konstantin und dem Dekret von 321 in dem er sich auch zu den Juden von Köln äußert? Wunderbar könnte man hier Ämter und Verwaltung im Römischen Reich in diesem Gebiet erklären – ein Gebiet, dass uns ja noch heute wohl bekannt ist. Warum lernt man zum Mittelalter nichts davon, dass das Rheinland mit seinen Städten Speyer, Worms und Mainz (ebenfalls noch immer wohlbekannt) das Zentrum des aschkenasischen Judentums und spielten mit ihren Gelehrten wie z.B. Raschi bis heute eine große Rolle. Eine Geschichte, auf die man doch stolz sein könnte, wie ich meine. Machen wir ein paar Sprünge weiter und schauen in neuere Zeiten. Friedrich der Große, Kant….man lernt sie in der Schule kennen. Kaum jemand kennt aber Moses Mendelssohn, der, wie mir scheint, bis heute darunter leiden muss, dass er eben nur ein Jude war. Dabei war er einer der bedeutendsten Philosophen dieser Zeit. Er soll der reale „Nathan der Weise“ gewesen sein. Wir kennen, lieben oder hassen, Wagner. Meyerbeer ist weitgehend unbekannt. Auch ihm wurde sein Judentum zum Verhängnis, einer der bedeutendsten Komponisten….denken wir an die Salons Berlins, an die großartigen wichtigen Frauen, die sie führten, an Rahel Varnhagen, Henriette Herz, denen noch heute viele versuchen nachzueinfern. Es wird soviel Salon genannt. Oder schauen wir nach Seesen, dieser scheinbar unscheinbaren Stadt, von der doch so viel ausging. Hier entstand quasi das, was wir heute als Reformjudentum kennen. Eine deutsche Erfindung. Es gibt so viele Geschichten in der Geschichte, die nicht erzählt werden und doch so wichtig sind für diese Region. 
Vielleicht, so meine Idee, wenn wir anfangen würden, es ganz selbstverständlich in die Curricula der Schulen aufzunehmen, auch die Bildung an den Universitäten dahin ändern (Ja, Religionslehrer sollten etwas mehr wissen, wie Juden was machen, als Jesus es tat), ich glaube, dann gäbe es eine Chance auch auf diese Geschichte stolz zu sein, sich mehr damit zu verbinden und dieses unsägliche Bild da oben raus zu bekommen. Wir sind nämlich nun mal weit mehr als das…
Es ist eine Idee, ein Gedanke, ich glaube fest, dass wir ihn weiter denken müssen – um dieses „andere Seite“ – Denken raus zu bekommen, wie man die Scheu nimmt, Schwellen abbauen könnte. 
Es ist letztlich unser aller Geschichte.

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