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Vorgeschnuppert: Die #GELDausstellung im Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz

Denkt man an archäologische Museen, denkt man gewöhnlich an Pfeilspitzen, ein paar Scherben, im südlichen Raum an römische Ruinen. Irgendwie immer alles etwas dunkel, etwas alt und immer gleich. Mitnichten. Wir begeben uns auf einen Ausflug nach Chemnitz ins Staatliche Museum für Archäologie (smac). 

Ich meine auch wirklich Ausflug. Von Leipzig aus fährt man nur eine Stunde durch schöne Landschaften mit der Regionalbahn nach Chemnitz. Vom Hauptbahnhof sind es dann nur ein paar Minuten die Straße runter direkt ins Museum. Keine lange Suche, keine extra Verkehrsmittel. Idealer kann ein Museum gar nicht liegen – und schöner auch nicht. Das Museum, erst 2014 eröffnet, befindet sich in einem ehemaligen Kaufhaus, das allein durch seine Architektur schon sehenswert ist. Es muss nicht immer Neubau sein. Das einstige Kaufhaus Schocken wurde von Erich Mendelsohn errichtet. Mendelsohn sollte den meisten mit seinem Einsteinturm in Potsdam bekannt sein. Allein schon das Gebäude wäre mir eine Reise wert gewesen. Zur Geschichte des Hauses kann man sich übrigens in einer Ausstellung im Haus selbst informieren, die sogenannte Erkerausstellung.

Das smac wird nun am 27. Mai 2016 mit seiner Ausstellung „GELD“ seine erste Sonderausstellung eröffnen. Wir durften schon mal vorschnuppern. Also hoch in die vierte Etage und rein ins – Kaufhaus? Kaufhaus ja, denn daran orientierten sich die Gestalter vom Büro Chezweitz aus Berlin. Wir sehen die Andeutung von Warenregalen, die Beschriftung wird sich an den Vorgaben aus Supermärkten orientieren und auch die (wenn gewünschte) Wegeführung orientiert sich mit ihren Kapitelzahlen an Preisangaben. 
Eine schöne Idee, wie ich finde. Überhaupt gefällt mir das klare helle Design sehr gut, das ohne viel Schnickschnack auskommt. Riesige Texte, die gewöhnlich sowieso niemand liest, sucht man ebenso vergebens. 
Wer nun erwartet, von Münzen erschlagen zu werden: man findet vergleichsweise wenig davon, denn es geht nicht nur um Münz- oder Papiergeld, wir finden auch keine chronologische Ordnung einer „Geldentwicklung“ im eigentlichen Sinne. Das Haus hat sich andere Kapitel überlegt und kann so länderübergreifend präsentieren, was den Vergleich noch spannender macht. So erfahren wir, dass z.B. die Chinesen das Papiergeld erfanden, es aber nach gut 400 Jahren wegen Missbrauchs wieder einstellten, die Schweden es ebenso ein Jahr versuchten. Und überhaupt, braucht man Geld wirklich? Und ist es wirklich als Tauschmittelersatz entstanden? Das bezweifeln die Aussteller. Auch die Legende von Krösus als Erfinder des Münzgeldes wird nebenher entkräftet. Aber schauen wir mal, was es an Themen geben wird: 
  • Ohne Geld
  • Wiegen Sie noch oder zählen Sie schon?
  • Vertrauen Sie dem schönen Schein?
  • Zahlen Sie mit Karte?
  • Was machen wir mit Geld? (Und was macht Geld mit uns?) 

Wir betrachten Tauschobjekte älterer und neuerer Zeit:

Und ich erfuhr via Twitter, dass nicht nur Pokemonkarten, sondern auch Hanuta-Bildchen, Bravo-Poster, heimliche Küsse, Murmeln, Esspapier, Magic-Karten und Diddl-Kram getauscht wurde. Und Ihr so?

Übrigens tauscht auch das smac. Mit der Nachbildung einer Pfeilspitze hat es begonnen und soll am Ende für einen guten Zweck versteigert werden. Also schaut doch mal nach, wo man gerade ist, und was Ihr so bieten könnt.

In der Ausstellung wird nicht nur Tauschgut, Geldarten und die Moral betrachtet. Die Idee zur Ausstellung entstand 2014 – Auslöser hier unter anderem die Finanzkrise, die thematisch ebenfalls aufgegriffen wird. Toll, wenn ein Museum auf aktuelle Ereignisse reagiert und so schnell umsetzen kann. Denn 1 1/2 Jahre von der ersten Idee bis zur Eröffnung bei einer Ausstellung dieses Umfangs ist wirklich eine Leistung.
A photo posted by Juna (@irgendwiejuna) on May 20, 2016 at 10:40am PDT

Ich versuchte, ein Storify für die Veranstaltung hinzubekommen. Leider streikt der Anbieter, so dass ich bisher nur die Bilder von Instagram einbetten konnte, ich bleibe dran und schiebe es bei Erfolg nach. Eine einfache Suche aber unter #GELDausstellung auf Twitter ist unbedingt empfehlenswert, um einen weit größeren Eindruck zu geben, als ich ihn hier auf wenigen Zeilen geben kann. 
Was mich etwas wunderte, und was ich ganz vergaß zu fragen: alles nur auf Deutsch? Kommen keine Touristen ins Museum? Im Hotel zumindest war ich offensichtlich die einzige Deutsch-Muttersprachlerin. Ich denke, das sollte in einem Haus dieser Kategorie doch angedacht sein. Und die Sache mit dem „Fotografieren erlaubt“…ein leidiges Thema, besonders mit Leihgebern, ich weiß. Aber da muss was passieren.  
Für die Museumsmenschen: Das Mobiliar zur Ausstellung wurde komplett neu angeschafft und wird auch für kommende Sonderausstellungen wiederverwendet.

Fazit:

Unbedingt besuchenswert – auch mit Kindern, denn auch an sie wurde mit kleinen Spielen gedacht. Jeden Samstag gibt es öffentliche Führungen. Es steht also einem Besuch nichts im Wege, auch das Begleitprogramm ist hochinteressant. Alles zu finden hier auf dem Ausstellungsflyer und natürlich auf der Ausstellungseite des Museums. 

In eigener Sache:

Meine Begeisterung für die Ausstellung ist echt. Ich wurde nicht vom Haus bezahlt oder habe sonstige Gegenleistungen erhalten – außer die wunderbare Führung. Anreise und Hotel habe ich selbst bezahlt, da ich einfach interessiert war. Ich finde (leider), dass man das inzwischen auch auf Seiten wie diesen sagen sollte und muss. 

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