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Der Hafen – Ende einer Reise

Der Hafen. Ankunft. Die See war ruhig, eine ruhige Fahrt wären nicht die lauten Kabinennachbarn gewesen. Aber nun endlich da. Die Menschen stehen bereit, das Schiff zu verlassen, können es ebensowenig erwarten, wie vor Stunden hinaufzugelangen. Die Rampe öffnet sich langsam, öffnet das Maul des Schiffes, während es sich nähert. Licht. Dächer. Schiffe. Zelte.

Es ist ds Ende einer Reise, die wie keine schon zu Beginn mit Fragen kommentiert wurde: Seid Ihr sicher? Wollt Ihr das wirklich? Ich wusste nicht, was sie meinten. Die Kriese Griechenlands? Sollte man da nicht extra hinfahren? Die Flüchtlinge wurde zugeraunt, die Flüchtlinge. Offensichtlich ist man in Mitteleuropa der Meinung, an allen griechischen Stränden leben Flüchtlinge. „Was tust Du aber, wenn welche kommen?“ Was soll man tun? Sehen, ob man helfen kann? Wasser anbieten? Etwas zu essen vielleicht? Ich weiß es nicht. Die Frage stellte sich nicht. Es kamen keine Flüchtlinge an den Strand der kleinen Insel. 
Doch hier, hier im Hafen, nur ein paar Meter vom Schiff und ein paar Meter vielleicht von der Freiheit sind sie. Leben in Zelten unter Dächern, die wohl einst Bushaltestellen waren, nutzen die zu dutzenden aufgestellten Dixietoiletten in praller Sonne, beobachten all die Menschen, die Freudig abgeholt werden, die sich ein Taxi nehmen, die den Hafen verlassn können. Und irgendwie dann doch nur: Hilflosigkeit. Das ist Europa, Frieden – nicht unbedingt Reichtum. Hier leben Menschen in Zelten auch mitten in der Stadt mit Kindern, die wohl lang keine Schule mehr sehen durften. Sie leben in Fabrikhallen und warten auf das, was nicht kommen wird. Warten warten warten. Und wir?  Ich frage mich, warum man der Stadt, dem Staat nicht einfach mehr hilft. Warum man irgendwelche Deals mit fragwürdigen Möchtegernmonarchen eingeht, anstatt das Geld in jene Länder der EU zu pumpen, die es brauchen können, die selbst schon so wenig haben und noch immer so viel helfen. Die sich schulmeisterliche Lektionen aus dem reichen selbstgerechten Norden anhören müssen und einfach weitermachen, es versuchen, kämpfen. Dessen Menschen ihre Familien verlassen, um wenigstens über die Saison woanders zu arbeiten ohne einen freien Tag, damit sie die Monate im Winter über die Runden kommen. Die ihre Gastfreundlichkeit – man möchte fast sagen auch den Deutschen gegenüber behalten haben. 
Demut ist wohl auch ein Wort, das man wieder bedenken sollte. Das man manchem einflüstern, einimpfen muss. Demut und Dankbarkeit. Und etwas zurückgeben – wie man es doch als Kind einst gelernt haben sollte. Sollte.

Ich werde weiterreisen. Ich darf weiterreisen. Fast überall hin auf der Welt. 

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