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Zuhause ist, wo die Bücher sind. – Der Film „Rabbi Wolff“

Gestern nachmittag, noch vor Schabbatbeginn, war das Kino in den Hackeschen Höfen voll, sehr sehr voll. Grund war die Präsentation des Films Rabbi Wolff und vielleicht noch mehr die Anwesenheit des Hauptprotagonisten William Wolff und der Filmemacherin Britta Wauer. 

Ihr ist ein ganz wunderbarer Film über einen noch wunderbareren Menschen gelungen. William Wolff wurde an der Spree geboren und lebt nun an der Themse. Schon zum Schulabschluss wurde er in der Berufsberatung gefragt, was er werden wolle: Journalist oder Rabbiner. Er schaffte beides. 
Schon 1933 zog die Familie vom Holsteiner Ufer nach Amsterdam, von dort 1939 nach England, wo er bis heute lebt. Er wurde erfolgreicher Politikjounalist und beschloss mit 50 Jahren, Rabbiner zu werden. Auch, wenn sein Vater orthodox war, wenn seine restliche Familie orthodox ist, entschloss er sich, liberaler Rabbiner zu werden. Er selbst sagt dazu, dass er eben manche Dinge persönlich anders sieht und sich daher so entschloss. „Die Gesetze sind für den Menschen da, nicht die Menschen für die Gesetze.“ heißt es an einer Stelle. Er ist religiös, sagt, man sage über ihn „Rabbi Wolff has religion“, er oktruiert es anderen nicht auf. Lässt Menschen sein.
Und so begleiten wir ihn zum Pferderennen in Ascot und zum Kiddusch in Rostock. Aus William wurde ein englischer Gentleman, als solcher kam er zurück nach Deutschland. Lernte noch im hohen Alter Russisch, um die Sprache seiner Gemeindemitglieder zu lernen „man kann sie doch nicht zwingen Deutsch zu lernen“. 
Britta Wauer begleitete ihn über drei Jahre, es blieben 150 Stunden Material, aus dem sie anderhalb Stunden Film zusammenstellen musste, aus denen aber auch ein Buch entstand.

Ich wünschte, es gäbe mehr Menschen wie ihn, mehr Rabbiner wie ihn. 

Ich möchte nur noch ein paar Dinge wiedergeben, die Rabbi Wolff sagte, die ich mir gestern notierte. Dinge, die vielleicht einfach für sich sprechen: 
Zuhause ist, wo die Bücher sind. 

Auf die Frage, was er im Film immer tränke, er vertrüge keinen Alkohol, trank aber früher viel Kaffee: 

Ich hatte eine Liebesaffäre mit Kaffee über 20 Jahre, dann ging es nicht mehr. 20 Jahre sind doch schon eine lange Zeit für eine Affäre.

 Wie man glücklich werden könne mit dem, was man tut:

Wenn die Dinge, die man macht nicht mehr schön sind, wenn sie keine Freude machen, sollte man wechseln, um wieder den Spaß am Leben zu finden. 

Wieso er immer ein Lächeln parat hätte. Nie wütend zu werden scheint: 

Man muss sich irgendwann mit den Dingen abfinden, die passiert sind, die man nicht ändern kann und einen Weg finden, positiv weiter zu machen.

Ich komme gern, dem Wunsch Knut Elstermanns nach und mache Werbung: Gehen Sie in den Film! Sollte er in Ihrer Stadt nicht gezeigt werden, fragen Sie nach, ob man ihn nicht leihen könne. Es lohnt sich, unbedingt. In Berlin hat man zur Matinee im Kant Kino am Sonntag um 11 Uhr die Gelegenheit, den Fim mit Rabbi Wolff und Britta Wauer zu sehen, auch Termine in Hamburg und Lüneburg stehen. Alles zu finden auf der Filmseite.

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