Zurück zum Content

Kunstbetrachtung: Briefe aus der Ferne – Letters from Abroad von Maja Weyermann

Still from video
Uzaktan Mektuplar – Letters from Abroad
, 2015
Maja Weyermann
Ich schreibe selten über Kunst. Obwohl sie mir doch so wichtig ist, ein Teil meiner Identität. Das liegt, so meine ich, daran, dass sie heute so selten etwas aussagt außer: Kauf mich, ich habe Wertsteigerung. 
Ich kann damit nichts anfangen. Kunst muss für mich aussagen, aufdecken, sprechen. So wie die Arbeit von Maja Weyermann
Ihre aktuelle Arbeit, die sie im Rahmen eines Istanbul Stipendiums des Berliner Senats herstellte, hatte am Donnerstag Premiere im Lichtblick-Kino. Es war voll – sehr sehr voll. So voll, dass man gleich zwei Vorstellungen zeigte. Der Film, der sich nicht als Dokumentarfilm verstehen will ist 30 Minuten lang und nimmt in diesen 30 Minuten viel mehr, als die bei der Einführung erwähnten drei Ebenen auf. Man muss sie selbst entdecken…und mitgegehen in der Entwicklung dieser Arbeit, dazu hat man auch mit diesem Film die Gelegenheit.
Maja wollte, so erfährt man, in dieser Zeit in Istanbul etwas über Teppichknüpfkunst machen. Durch verschiedene Umstände kam es nicht dazu. Termine klappten nicht, das Thema wurde nicht griffig. Wir hören in ihren Briefen an B. wie unzufrieden sie ist. Gleichzeitig aber ist das der Beginn einer Entdeckung einer Geschichte, die letztlich das Werk wird. Einer Geschichte, die, so meinen wir doch bekannt ist, aber eben doch nicht: der Genozid an den Armeniern. Und viel mehr noch, die bis heute andauernde Diskriminierung der Armenier in der Türkei, die bis heute andauernden Beschlagnahmungen von Armenischem Eigentum in diesem Land, das doch so sehr Partner sein soll eines Europas. 
In einfachen Bildern begleitet man Maja durch Istanbul, hört, wie sehr die Teppichknüpfkunst wortwörtlich mit der Geschichte verwoben ist und bleibt zunächst scheinbar wahllosvor Häusern stehen…ehemals armenischen Häusern. 
Ein Film, der mich tief bewegt hat, für den ich dankbar bin, der mich noch immer nachdenken lässt über das, was dort bis heute geschieht. Manchmal ist es eben doch noch die Kunst, die die Dinge zur Sprache bringt. Es sollte mehr davon geben.

Der Film wird Ende April noch einmal im Kino Arsenal gezeigt. Leider ist dort noch nichts zu finden. Unbedingt ansehen.

Gib als erster einen Kommentar ab

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

16 − 1 =