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Gedanken zu den Wahlen

Ich habe überlegt, ob ich etwas schreiben soll zu den Wahlen. Ich überlegte schon vergangene Woche. Und eigentlich, eigentlich muss man nichts schreiben. Nichts schreiben muss man, weil nichts überraschte. 
Es überrascht allerdings die Überraschung der etablierten Parteien, die aufgeweicht in ihren Profilen sich nun wundernd bis erschrocken die Ergebnisse ansehen. Es überrascht das Erstaunen, über die Wähler. Es überrascht von anderer Seit die Überraschung. Nein, dazu muss man nichts schreiben. Schreiben möchte ich über etwas, was mich bewegt – und was natürlich doch mit den Wahlen zu tun hat: Die Wortlosigkeit. Es wird nicht geredet, über das, was passiert. Zuhause, da wird geredet, wird diskutiert, wird überlegt. Doch dort wo ich meine Tage verbringe, mein Geld verdiene: Schweigen. 
Nun mag man sagen, das habe ja nichts mit der Arbeit zu tun. Doch das hat es. An diesem Ort hat es das. An allen Bildungseinrichtungen hat es das. An Museen hat es das. In Gedenkstätten hat es das. 
Über das Schweigen der Gedenkstätten (außer in Leipzig, die Kollegen sind großartig) schrieb ich schon einmal. Wenn sie sich äußerten, dann dergestallt, dass schämen schon ein zu geringes Wort ist. Doch natürlich, die Hand die einen (bald) füttert, wird man nicht beißen. So werden wir keine Worte erwarten können, nicht von Gedenkstätten, nicht von Museen, nicht von Historikern, Politologen. Die Angst geht um. Angst auch, die die AfD mit ihrem Programm „zur Bildung“ schürt. Es wird Schweigen herrschen. Nur nicht auffallen, schön still sein. Verntwortung vermeiden. Und dann am gleichen Tag den Schülern sagen: Wehret den Anfängen. Und nichts wehrt, niemand begehrt auf, niemand sagt halt. Ducken, still sein, durch kommen. 
Und nachher, nachher, wenn ich ins Büro komme wird niemand darüber reden, was geschah. Niemand darüber, wie es sein Leben beeinflust, niemand darüber, was auch hier in Berlin uns erwarten wird. Es wird schweigen herrschen. Ignoranz. Es betrifft und ja nicht. Die Wähler da, das sind die Dummen. Wir haben damit nichts zu tun. 
Und ich werde wieder meine Arbeit machen, mich wundern und jeden Tag ein Stück mehr Abschied nehmen, von etwas, an das ich glaubte. Denn mich beeinflusst das, was gerade passiert massiv. Irgendwie will ich vielleicht auch mal gefragt werden: Juna, wie geht es Dir gerade in der Situation? Möchte ich, dass wir auch die polnischen, weißrussischen Kollegen wahr nehmen und uns sorgen – wenigstens um jene, die nah sind. Das ist doch das Mindeste. Nichts wird passieren. Business as usual. Irgendwann dann wieder ein workshop und wieder wird es heißen: wehret den Anfängen und ich drehe mich weg.

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