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Und wieder geht einer und hat nicht alles sagen können. Zum Tod von Roger Willemsen

Es war Mitte der 90er Jahre, als ich Roger Willemsen entdeckte. Die Melodie seiner „Willemsens Woche“, mit der ich Lernen, Neugier, Lebensfreude verknüpfe, eben mit Roger Willemsen. Ich hing am Fernseher, an seinen Lippen und am nächsten morgen fanden sich im Jahrgang drei vier zusammen, die sich austauschten. Die Außenseiter eben.
Willemsen trug ein großes Stück dazu bei, zu wissen, dass es ok war, Bücher mehr zu lieben als Klamotten, dass es gut war zu lesen, ins Theater, Museum zu gehen, statt sich den Kopf auf allwöchentlichen Partys wegzutrinken. Er hat mich an Themen geführt, die ich bis dato nicht kannte, die mir zu weit weg von meiner Realität erschienen und zeigte mir, dass es nicht so ist. Er war der Grund, warum ich im Studium als im SG Philosophie wählte.
Roger Willemsen ist eine Konstante in meinem Buchregal. Zum letzten Geburtstag blieb es leer, ohne ihn. Er hatte nicht mehr geschrieben. Ich schätze, nein liebe seine Sprache, die so voller Poesie ist, ohne Poesie sein zu müssen. Willemsen schrieb einen Stil, der heute seinesgleichen sucht. Ich liebe seine Beobachtungen, seine kleinen Projekte und vor allem liebe ich seine Liebe zu den Menschen, seine Offenheit und Neugier, seine Herzlichkeit.
Ich erinnere mich noch an eine der schönsten Lesungen mit ihm: Brehms Tierleben im Aquarium Berlin. Es war einer der schönsten Abende, so voller Humor und liebe zum Buch zu den Texten. Ihm ist es gelungen, dem alten Brehm wieder Leben einzuhauchen. Ein anderes seiner Bücher, dass mir sehr am Herzen liegt, das kaum bekannt geworden ist, wir mir scheint ist:  Es war einmal oder nicht: Afghanische Kinder und ihre Welt. Seine Hörbücher, die er selbst einsprach sind die einzigen, die ich hörte, auf langen Flügen, in den Wartehallen dazwischen. Seine Stimme ist Reisebegleitung, noch immer und immer wieder. 
Danke Herr Willemsen, dass Sie mich haben schmunzeln, mich an die Schönheit der Deutschen Sprache glauben lassen, dass Sie mir beibrachten, dass man Menschen manchmal einfach etwas kitzeln muss, damit sie ihre Geschichten erzählen. Danke für Ihren Humor und Ihre Melancholie. Sie werden mir fehlen. Sehr.

Bild: Smalltown Boy at the German language Wikipedia [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons

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