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Das Staatliche Museum für Ägyptische Kunst München

Ein Tag in München. Eine Museumsliste für München. Nach der Pinakothek der Moderne machte ich mich auf den Weg zum Museum für Ägyptische Kunst. Im letzten Jahr hörte ich Dr. Sylvia Schoske, Direktorin des Hauses, zum Neubau und dessen Einrichtung sprechen. Man ging andere Wege, sie wurde nicht müde, das zu betonen. Dennoch, meine Neugier war geweckt.

Es war etwas schwierig, das Museum zu finden. Ich wusste, dass es ein Neubau war. Ich wusste nicht, dass es neben der Hochschule für Film und Fernsehen, die so dominant den Platz beherrschte quasi unterging. Und unterging ist vielleicht das richtige Wort. Denn endlich gefunden, ging es nach unten. Auf Augenhöhe sieht man nicht viel, ist man näher dran, sieht man die Treppe nach unten und die Tür, die wenn verschlossen vielleicht abschreckend wirken könnte. Also hinein, gleich ein Empfang. Kein Suchen nach dem Kartenverkauf und ein ausgesprochen freundlicher Mitarbeiter. Herausragend würde ich sagen. Und das will etwas heißen, ist es für mich ausschlaggebend für Bewertungen. Dem Herrn an der Kasse ist es zu verdanken, dass ich, was ich sonst nicht mache, sogar einen dieser Guides annahm. Ein Multimediaguide auf einen Tablet in Selbstführung. Im Angebot war noch eine Highlightführung. Nun also los. Fotografieren war erlaubt, ein weiterer Pluspunkt. Der nächste Mitarbeiter am Einlass ebenso freundlich und mit Witz. Ich mag das.
Es ging weiter nach unten. Ich wusste bereits, dass man dem Titel des Museums „Ägyptische Kunst“ gerecht werden wollte und somit die Objekte als Kunst präsentierte. Einzeln, auf eigens angefertigten Sockeln. Sehr oft ohne Hülle. Dem Besucher eher vertrauend, als es so manches andere Haus macht. Sehr schön. Ebenso schön die dezente Besucherführung: auf dem Boden angebrachte tastbare Leisten.
Das Tablet um meinen Hals galt es nun zu testen. Das Gerät stellt fest, wo man gerade ist. Jedes Objekt im Umfeld ist so einzeln nach Interesse anklickbar. Man bekommt z.T. nähere Erklärungen, Kontextualisierungen oder Rekonstruktionen, wie z.B. bei einem Wasserspeier gleich im ersten Raum geboten. Beeindruckend. Gut gemacht, eine schöne Idee. Leider weiß man nicht im Vorfeld, was wann kommt. Es wäre mir wichtig gewesen, doch dazu später. Die Form des Guides (vermutlich mit Beacons in der Ausstellung) erspart auch unschöne Nummern an den Objekten. Er führte mich zusammen mit der Leiste den Weg durch die Ausstellung, ohne, dass ich etwas verpasste und vor allem, ohne, dass ich abgelenkt wurde.
Was mir tatsächlich nachhaltig gefiel, war die Inszenierung der Objekte. Es ist nicht so sehr viele, man wird nicht überschwemmt, überfordert von der Masse, und jedes scheint gleich gewichtet zu sein.
Natürlich gibt es auch die kleinen Objekte, die nicht einzeln stehen können. Auch hier eine Inszenierung, die mir gut gefällt. Man spielt hier wiederum mit der Masse, der Objekte, die da die Jahrtausende überdauerten. Auch hier wieder ein etwas anderer Ansatz.

Was mir neben allem auch sehr gut gefiel, was der Raum zum betasten. Hier sollte man die Tablets auf vorgesehene Flächen ablegen, ob zu den Objekten (Herstellungsstadien einer Statue) etas zu erfahren. Alles hier konnte man anfassen. Eine schöne Idee. Überhaupt ist das Museum besonders auf Blinde und Sehbehinderte eingestellt. Allerdings, und es kann ja nicht alles nur rosig sein, wird man oberlehrerhaft über diese Möglichkeit belehrt, ebenso wird man beim Verlassen des Raumes ermahnt, dass man jetzt aber nichts mehr anzufassen habe. Das ist bedauerlich und zeugt davon, dass das Vertrauen in den Besucher eben doch nicht so groß ist. Anfassen konnte man in der ganzen Ausstellung reichlich. Medientische, Schubladen mit einer Sammlung Textilien, ein Bildschirm, der entlang eines Papyrus geschoben, mehr zeigt als für den Laien zu sehen ist. Eine wirklich gelungene und sehr zu empfehlende Ausstellung. Die architektonischen Details des Gebäudes erschließen sich vielleicht nicht so sehr, wenn man darum nicht weiß. Also, unbedingt hingehen beim nächsten Münchenbesuch. Ein Schwätzchen mit dem Personal über Kameraausrüstungen und Lieblingsmotive inklusive. Ich muss gestehen, mein Favorit an diesem Tag in München.

Allerdings, ja, es gibt leider ein allerdings: der Multimediaguide. Die Idee: gut. Die Programmierung: gut. Die Visualisierung: toll. Die Texte: mit Verlaub, verbesserungsfähig und Frau Dr. Schoske ist die falsche Wahl als Sprecherin. Ich konnte mir leider nicht einen Beitrag bis zum Ende anhören. Man hätte es dabei belassen sollen, dass sie die Begrüßung macht, wie in anderen Häusern üblich, und für den Rest professionelle Sprecher engagiert. Mir ist bekannt, dass alle Texte von der Chefin selbst geschrieben wurden – auch das, so sollten Museumsmenschen inzwischen wissen, ist nicht immer die beste Wahl. Auch, wenn wir von dem überzeugt sind, was wir wissen und was wir tun, ist es nicht immer das, was das Beste für den Besucher ist. Und der wird noch oft genug vergessen.

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