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Nachdenken

Sonnenuntergang hinter Bäumen im Winter.
Ich liege auf dem Bett und schaue aus dem Fenster, dieser Blick, den ich so liebe. Seit heute morgen, pünktlich zum Oktober wurde die Heizung angestellt und es ist möglich, ohne klamme Finger, eingemummelt bis zur Nasenspitze die Ruhe zu genießen und nachzudenken, nachzudenken über so vieles.

 

Nachzudenken über den ehrlichen und mutigen Beitrag der wunderbaren Mervy Kay, nachdenken darüber, wer wir werden durch dieses Netz, durch Aufmerksamkeit und ob unsere Blogs, Bücher, Geschichten noch die sind, die sie einst waren. Es wäre falsch zu behaupten, dass die Öffentlichkeit nichts verändern würde und seit einiger Zeit denke ich darüber nach. Daher hier ein paar Gedanken, für mich und auch für die Leser, was dieser Blog für mich ist und bleiben soll oder besser, was er nicht ist und was er nicht werden soll: ich habe diese Seiten nie geschrieben, mit irgendeinem Ziel außer des Schreibens wegen, des Erzählens und wie auch Mervy schrieb:

[…]um ein Fenster öffnen zu können. Nicht das einzige Fenster, aber ein weiteres Fenster zwischen zwei Kulturen. Zwischen zwei Welten. Zwischen zwei Lebenswirklichkeiten.

Dass sich die Themen in Laufe der Jahre änderten, empfinde ich als normal, denn auch mein Verhältnis zum Judentum änderte sich. Es sind persönliche Seiten und sollen es bleiben. Hier soll es keine Werbung geben, ich will sie nichts verkaufen und ich will auch kein Geld einnehmen und noch weniger schreibe ich, um mich beruflich zu profilieren. Immer mehr in den letzten Jahren empfinde ich immer mehr Blogs nur noch als das: berufliche Visitenkarten – was in Ordnung ist, für diese Welten. Was ich aber vermisse sind eben die anderen Seiten…die Nachdenken, die Fenster öffnen und Türen in Welten, die man sonst nicht kennt. Ich weiß, dass sich diese Seiten hier nicht einfach so einordnen lassen, zu weit sind meine Interessen gestreut, so soll es bleiben. R. sagte einst ganz richtig, ich schreibe, um gesund zu bleiben – und oft eben auch, wenn mich Dinge begeistern, Bücher, Ausstellungen, Menschen.
Und das soll das hier bleiben. Auch, wenn ich nicht mehr anonym bin, so will ich (wieder) persönlich(er) sein und manchmal, eben auch nackt. Denn dann, so glaube ich, ist manches besser zu verstehen. Wir müssen ehrlich sein, ganz besonders zu uns selbst. Und das, was ich nicht möchte ist, die Verbindung zu diesem Blog und was er mir bedeutet verlieren. Mein lieber Freund J. sagte vor Jahre zu mir: 

Das ist das Buch Deines Lebens, es ist so wichtig für Dich. Achte darauf.

Wie recht er hatte. Es ist das Buch meines Lebens, seit nun fast zehn Jahren…und was es nicht werden soll, ist ein Buch der Oberflächlichkeiten – denn derer gibt es zuviele. Ich verdanke dem Schreiben so viel. Es hat mich am Leben erhalten, als es keine Auswege mehr zu geben schien, mich getröstet, wenn ich am Boden war und auch, wie besonders in diesem Jahr beflügelt. Ich weiß all das zu schätzen, voll Dankbarkeit für dieses Geschenk.
Danke an Mervyn für den Stubs und danke an J. für Deine Worte damals und immer. 

1 kommentar

  1. Marlene Hofmann Marlene Hofmann

    Liebe Juna,
    Ich habe auch oft angst, dass meine Blogs in Richtungen gehen, in die ich gar nicht wollte. Deswegen ist es wirklich wichtig, immer mal zu reflektieren wie du es gerade gemacht hast. Letztens hat mich ein ungläubiger Journalist gefragt, warum ich blogge. Ob ich an Ads verdiene (nein!), Honorare bekomme (nein!), aber eben Spaß am Schreiben, eine Plattform wo einem niemand in die Texte reinredet und darüber hinaus lernt man noch interessante Leute kennen. Wahnsinn, dass du schon 10 Jahre bloggst!
    Viele Grüße
    Marlene

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