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Im Wartezimmer

Wartezimmer. Viele Patienten für viele Ärzte. Wewechen, Leiden, chronisch, spontan, jung, alt, verpflastert, verbunden, geschient. Jeder mit irgendetwas. Sichtbar und unsichtbar. 
Zwei Männer kommen in den Raum. Der eine jünger, hält sich am anderen fest. Sieht sich nicht um, ist still, folgt und lässt sich leiten. 

Lange Hälse. Starren. Gewandte Köpfe. Vorgebeugte Körper. 
Der Junge Mann geht mit seinem Begleiter ins Sprechzimmer. Körper, die sich entspannen, zurück lehnen, das Rascheln der Apothekenzeitungen, der Frauenmagazine. Geräusche der Wartezimmer. Stille. Gemurmel am Tresen, Terminabsprachen. Das surren des Rezeptdruckers aus einer anderen Zeit. 
Der Termin ist beendet. Der junge Mann voran, hinaus. Hat ein Heft in der Hand. Starren. Stuhlbeine, die scharren, nach besserem Blick suchende Menschen, vorgebeugte Körper, gewendete Köpfe, lange Hälse – wieder. Zeitschriften senken sich nach unten. 
Er geht. Wieder entspannte Körper. Wieder alles in Ordnung. Menschen, die starrten mit ihren grimmigen Gesichtern. Unverhohlen auf den einen, der nicht so war wie sie. Der wohl nicht urteilt, sobald jemand anders läuft. Anderes wichtig findet. 
Es war kein schönes Erleben heute im Wartezimmer. Heute, da ich wieder sah, wie schnell Menschen ausgeschlossen werden, weil sie anders scheinen. Wie sie angestarrt werden, verächtlich. Und ich habe wieder Sehnsucht gespürt nach meinem eigentlichen Beruf mit eben jenen Menschen, die andere Prioritäten haben, jenen, die die Welt anders sehen und einen selbst die Welt anders sehen lassen. Heute im Wartezimmer. 

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