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„Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt!“ – Feindschaftsbildererkennung im Deutschlandfunk

Titel, Deutschlandfunk 14.10.2015: Juden in Deutschland sorgen sich um Ihre Sicherheit.

Jetzt mal ehrlich, lieber Deutschlandfunk, von Ihnen hätte ich es am wenigsten erwartet: das Bedienen von Vorurteilen. Weil es so schön passt, so herrlich auch endlich etwas Spannung herholt ins träge deutsche Herbstgrau: Juden in Deutschland sorgen sich um ihre Sicherheit wurde da gestern getitelt und ich wunderte mich. Irgendwie passten doch das Bild nicht dahin: eine Moschee und eine Synagoge. Wovor haben wir denn gerade Angst, Ihrer Meinung nach?

 Da ich nun selbst weiß, wie schnell genau das gehört wird, was man hören will: nämlich nicht die Angst der Juden vor dem Mob, der Häuser anzündet, der von Herrenrassen, Deutschland den Deutschen schreit, der Kanzlerin und Vizekanzler an den Galgen bringen will. Nein, bei diesen „Mitbürgern nichtjüdischen Glaubens“ haben wir keine Bedenken, sie sind harmlos und und wir müssen ihre Ängste verstehen. Gelegentlich sind sie nicht fähig, ihr Feuerzeug zu bedienen, so dass es brennend, vielleicht vorher an Brennbares gehalten, in Häuser fällt, ob mit, ob ohne Menschen darin. Nein, wir haben Verständnis vor Menschen, die von alten Nazis schwärmen, von Regierungen träumen, in denen Demokratie nur noch ein Schimpfwort ist, in der Pressefreiheit verachtet wird, unter Strafe gestellt. Wir haben keinerlei Bedenken, dass Bürgermeister, Staatsanwälte, freiwillige Helfer, Polizisten, Menschen, die aufbegehren gegen den Mob, bedroht werden und das nicht aus der Ferne, anonym, sondern direkt. Nein, wir finden all das normal und freuen uns unseres schönen Lebens hier im Land. Hingegen haben wir Angst vor Menschen, die um ihr Leben fliehen. Ganz so, wie wir selbst es vor nicht allzu langer Zeit tun mussten. Nein, wir ganz besonders können nicht verstehen und fürchten uns nur vor jenen, die nicht mehr in ihrer Heimat leben konnten. Und wir, ganz besonders wir wissen am wenigsten, was der Verlust von Freunden, Familie und Heimat bedeutet.
Aber ja, da war doch was. Juden und Moslems, die mögen sich doch naturgemäß nicht, da muss doch eine Schlagzeile zu basteln sein. Da mag Frau Süsskind erwähnt haben, dass man natürlich über unsere Grundwerte, die Grundrechte des Landes gesprochen werden muss, dass es natürlich hier einiges anderes ist, das Judenbild ein anderes. Vieles ist hier anders. Auch das öffentliche Küssen auf der Straße ist hier gestattet und normal – haben nun also Ihrer Logik folgend nun alle Liebenden Angst, sich öffentlich zu küssen, weil wir jetzt mehr Menschen anderer Herkunft in unserer Mitte haben, die sich u.U. an diese Bilder gewöhnen müssten?

Und da sie natürlich das Dach der Neuen Synagoge in Berlin für Ihr Bild nahmen: es ist nun mehr so, dass sich die dortige Gemeinde seit langem, schon vor dem großen Strom, aktiv um Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten kümmert, still und selbst organisiert. Es spielt keine Rolle im Miteinander, beim Deutsch lernen, Fußball spielen, Yoga machen, ob wir Juden sind. Wir alle sind Menschen, nur das zählt. Denken Sie darüber nach, bevor Sie etwas schüren, was nicht vorhanden ist. Aber vielleicht haben Sie ja nun erfolgreich eine Saat gelegt.

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