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Ein Verkehrskreisel, der die Unbeschwertheit nimmt

Augenwinkel, nur Worte: „nei Lager Nazisti“ Ich habe Antennen dafür. Für seltsame Straßen, an denen sich einst Lager befanden, für Geschichte, über die nicht gesprochen wird. Hier in Italien aber, wo ich auch von der Geschichte weiß, ich dachte nicht, dass die Antennen hier anschlagen. 

 Nei Lager Nazisti…ein Platz den Opfern der Nazi Lagern gewidmet. Warum hier, in Piermont. Warum überhaupt. Bisher war es mir nicht aufgefallen. Ich sehe nach, will wissen, was es bedeutet. Hier wird kein Lager gewesen sein. Ich sehe, dass viele Städte diese Plätze haben. Doch hier oben, in Piemont gibt es noch eine weitere Geschichte.

Ich lese nach. Massaker. Lese von Opfern. Will mehr wissen. Erfahre von den ersten Massakern in Italien nach der Absetzung Mussolinis. Die Leibstandarte Adolf Hitler. Man wollte sicher gehen. Wollte sicher gehen, der Juden, die sich hier in den Norden aus den Großstädten in Sicherheit hofften, habhaft zu werden. Die taten es. Die Behörden halfen. 
In verschiedenen Städten wurden gemordet. Familien, die sich in Hotels flüchteten wurden verhaftet, enteignet, erpresst und letztlich ermordet. Ihre Leichen versuchte man im Lago Maggiore zu versenken. Es gelang nicht. Ein paar trieben bis zum Ufer in der Schweiz. Ermittlungen folgten. Ohne Ergebnisse. 
Im See versenkt…die Worte treiben den ganzen Tag in mir, während ich an eben jenem See sitze, in einem der Orte, der der letzte sein sollte für Juden, Italiener, Griechen. Sie suchten Schutz hier. Heute sucht mach Erholung und Sonne. Das Bad im See ist nun ein anderes. Ich weiß, dass es nicht die ersten Körper gewesen sein werden, die man hier suchte verschwinden zu lassen. Und dennoch… irgendwie hat es nun ein wenig ein Gefühl wir am Strand von Tel Aviv, in dessen Wasser man einst einen der Mörder verstreute…es ist ein anderes Gefühl. Doch die Unbeschwertheit ist gegangen. 
Die Mörder von damals wurden verurteilt. Das Urteil wurde vom Bundesgerichtshof wegen Verjährung aufgehoben. Mehr gibt es nicht zu sagen. Was bleibt, was wirklich bleibt sind diese Momente, an denen man innehält und nachliest…es waren nicht die Nazilager hier, es waren die Mörder….und Menschen, die hier Rettung suchten und nicht die Schönheit der Natur…die Ruhe und das gute Essen. 
Es war heiß heute, ich war im See…doch meine Gedanken, waren bei den Menschen, deren Geschichten man hier mit ihren Körpern versenken wollte. Es ist nicht gelungen. 

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