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Buchbetrachtung: „Puntarelle & Pomodori Die römisch-jüdische Küche meiner Familie“ von Luciano Valabrega

Urlaub: Ruhe, Bücher. Mehr braucht es nicht im Paradies. Vielleicht noch gutes Essen. Dafür allerdings ist (man möge mir das verzeihen), die jüdische Küche nicht sonderlich berühmt. Aber was ist schon jüdische Küche? Heute kennen wir meist die schmackhafte nahöstliche Küche und haben die Kutteln und ewigen Kugeln in allen Varianten vergessen…

Und dann kommt ein kleines Buch daher. Für den Bibliophilen schon eine Freude: Sorgfältig gebunden, Leinen, Tiefdruck…es erinnert mich etwas an ein gutes Notizbuch und irgendwie ist es das auch. Ein wunderbares Notizbuch der italienischen Genüsse, gespickt mit Familiengeschichte und vor allem eine Liebeserklärung an das vergangene Rom. 
Wer hier ein normales Kochbuch erwartet mit Mengenangaben, genauen Beschreibungen der Zubereitungen, wird enttäuscht werden. Valabrega schreibt:
Ich fing an, mir Notizen zu machen, aus Angst, ich könnte die guten außerordentlichen Rezepte von früher vergessen, die Rezepte meiner Familie in Rom der Kriegs- und Nachkriegsjahre […]

Und so liest sich das Buch auch. Es sind Erinnerungen, die mit dem Essen verbunden sind – so, wie es meist ist. Wir erinnern uns durch Geschmäcker, Gerüche, suchen unser Leben lang nach Möglichkeiten, die Mahlzeit genau so gut hinzubekommen, wie es die Großmutter tat – und werden es doch nie schaffen, denn in der Erinnerung war alles anders, saftiger, süßer, besser. Hätte man nur gefragt, hätte sie nur aufgeschrieben.  
Auch wer ein typisch jüdisches Kochbuch erwartet, mit der Kaschrut und allem darum herum, wird hier falsch liegen. Betrachtet Valabrega ein Gericht als typisch (römisch)-jüdisch, so ist es schlicht mit einem Sternchen gekennzeichnet, manchmal auch mit der Geschichte, wann es gegessen wurde. So z.B. die Azzime Küchlein, die zu Pessach aus Mazzen gemacht wurden (und mir das Wasser im Munde zerlaufen lassen). 
In wenigen Worten, ganz nebenher setzt er auch ein Denkmal für seine Familie, jenen, die den Krieg überlebten, und jenen, die aus der Deportation nicht zurückkehrten. Sie sind die Illustrationen des Buchs, so, wie das Rom, in dem er aufwuchs. Alles, wie es scheint untergegangen, die Sehnsuchtsgeschäfte, Lokale und Straßen … zusammen mit den gemeinsamen Festen mit den (nichtjüdischen) Nachbarn. Das normale jüdische Leben eben….und so merkt er an: 
Um hervorzuheben, wie viele Dinge die Menschen verbinden können: über die katholische Taube, das Schokoladenei und die knorrigen Azzime-Küchlein mit Honig entsteht Zuneigung, die aus der schlichten Summe verschiedener gastronomisch-religiöser Traditionen resultiert. Das Essen vereint!

Ein Buch, zum Lesen und Kochen…und vor allem Appetit machen. Es passt in jede Küche und gehört da auch hin!  Ich jedenfalls weiß schon, was ich alles zuhause ausprobieren werde…

1 kommentar

  1. Hoffmann Hoffmann

    Traditionen auf Kosten anderer Lebewesen sind weder im Sinn von Gandhi, Albert Schweitzer, Pythagoras, Empedokles, Voltaire, Rousseau, da Vinci, Tolstoi, Hosea.
    Es gibt bessere Rezepte (stets auch mit Video) die zudem nichts kosten
    http://www.mehr-als-rohkost.de

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