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Sommerstadt mit sterbendem Fluss

Philadelphia Fire Hydrant von Kwanesum (Eigenes Werk) [Public domain], via Wikimedia Commons
Jetzt ist er also da, ganz kurz nur: Sommer. Ich liebe den Sommer in der Stadt. Ich liebe auch die Sommerferien in der Stadt. Berlin geht den Weg aller Großstädte, es leert sich. Es wird ruhig. Irgendwo ist auf der Temperaturskala der Punkt, an dem sich nicht mal mehr die Parks füllen. Die Marke liegt wohl bei 30°C.

Es ist jetzt viertel vor acht Uhr abends. Das Thermometer zeigt 32°C. Sommer, endlich Sommer. Vor meinen Augen immer wieder Szenen von aufgeschraubten Feuerhydranten, spritzenden Wassermengen und glücklich schreienden Kindern, die durch das Wasser rennen. In meinen Ohren die Stille einer Stadt, die stillsteht. Wir haben hier keine Feuerhydranten, die Regenbögen in den Sommerhimmel produzieren könnten. Ich verlasse mich auf meine Phantasie. Sehe Bilder und genieße die Wärme, während um mich herum die einzigen Geräusche die Beschwerden über das Wetter zu sein scheinen. Endlich Sommer….endlich Sonne, endlich. Diese kurze Zeit in unseren Breiten….

Und dann? Dann weiß ich, dass etwas immer wieder fehlt. Jeden Tag sehe ich sie, jeden Tag fahre ich quasi meinen ganzen Weg zur Arbeit an ihr entlang: die Spree. Wäre es nicht wunderbar, wenn wir, wie andernorts, einfach auf dem Weg unsere Sachen ausziehen könnten und einfach hinein springen ins kühle ruhige Nass? In diesen Fluss, diesen Kanal, einfach überall in dieser Stadt? Wer braucht schon Feuerhydranten, wenn man einen Fluss hat? Einen Fluss, der doch eigentlich sauber wäre, den wir erst in Berlin so sehr verdrecken, als dass wir nicht mehr in ihm schwimmen dürfen. Wir mit unseren Haushaltsabwässern, unseren Toiletten, unseren Geschirrspülern, unseren Waschmaschinen, den Straßen mit all ihrem Dreck. Wir spülen all das in diesen Fluss. Immer wieder, wenn stark regnet. Und das tut es oft. Etwa 30 Mal im Jahr. Dann spülen sich die Abwässer in die Spree, den Landwehrkanal und brauchen mindestens 14 Tage, um aus der Stadt geschwommen zu sein….und sie schwimmen weiter bis in die Nordsee… Tonnen von toten Fischen wurden nur vor wenigen Wochen aus dem Landwehrkanal gefischt. Gestorben an unseren Abwässern, an Sauerstoffmangel, an uns. Wir leben in einer Stadt, einem Land, dass sich rühmt, umweltfreundlich zu sein, vorneweg vor allen anderen Nationen. Aber wir töten den Hauptstadtfluss immer wieder, bei jedem Regen. Es geht anders. Man muss es nur wollen. In Berlin will man nicht, verhindert Projekte auf Jahre, die das Töten verhindern würden. Hier versteigt man sich auf kleinbürgerliche Empfindlichkeiten, statt ein großes Ziel zu haben, dass dieser Stadt und einer Hauptstadt in Europa würdig wären: ein sauberer Fluss. In Berlin baut man lieber Autobahnen, mitten in der Stadt – bei abnehmendem Verkehr. Was man alles mit diesen Milliarden hätte tun können: Man hätte das Sterben der Fische verhindern können. 
Geht einfach mal an einem Regentag zu den Einleitungspunkten an der Spree. Schaut zu, wie die Fäkalien in die Spree fließen, nicht einmal, nicht drei Mal, nein, an 63 Punkten allein in die Spree. Wir töten unseren Fluss, jeden Tag bei jedem Regen. Und mir scheint es, kaum jemand interessiert sich dafür. Es wird Zeit, dass zu ändern. Wir müssen etwas ändern. Dringend.

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