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#9 Mehrheit oder Minderheit. Frage über Fragen.

Dies wird ein kurzer Beitrag. Ein kurzer Beitrag zu einem kurzen Gedanken, der mich heute während der ersten Stunden der Tagung „Erinnern Kontrovers“ ereilten. Es ging um die Frage der Mehrheitsgesellschaft. D.h. eigentlich war es keine Frage und genau das war es, was mich nachdenklich stimmte.

Zum Hintergrund: Nach dem Begrüßungskanon sollte die Veranstaltung etwas aufgelockert werden. Man meinte es durch eine Aktion zu erreichen, in der man mehrere Fragen stellte und das Publikum sich je nach Zustimmung oder Ablehnung an verschiedenen Stellen im Raum positionierte, drei Stellen gab es: 0, 50 und 100%. Die Moderatorin fragte dann einzelne Teilnehmer, warum sie sich wo positionierten. An sich eine nette Idee, die leider mit zu vielen und vor allem zum Ende viel zu komplexen und z.T. nicht mehr verständlichen Fragen überstrapaziert wurde. Eine der ersten Fragen aber war ganz einfach – sollte man denken: 

Fühlen Sie sich zur Mehrheitsgesellschaft zugehörig?

Die Antwort auf der „Nein“ Seite war ziemlich auffällig, da durch sehr wenige Personen gekennzeichnet, die sich dort aufstellten. Ich zögerte selbst kurz. Denn fühle ich mich wirklich nicht der Mehrheitsgesellschaft zugehörig? Doch eigentlich schon. Wir haben alle so viel in uns, dass uns anders macht – bin ich aber Jude, Migrant oder homosexuell, werde ich doch als noch mehr anders wahrgenommen.  Das Problem ist, wer uns und wen wir kategorisieren. Ich hoffte auf diese Frage, die Frage: Wer bestimmt Mehrheit, wer Minderheit? Sie kam nicht. Niemand fragte, warum wir wenigen da drüben standen. Ob wir uns selbst so fühlen, so empfinden oder ob wir fühlen, dass wir von außen so gesehen werden, so von außen eingeordnet würden.  Und welche Konsequenzen hat das Leben auf der einen oder anderen Seite. Und gibt es die überhaupt, eine Seite? Vielleicht auch die Frage, was in unseren Biografien die wichtigste Seite ist, im Mittelpunkt steht.
Eine vertane Chance. 

Und warum wurde einem Befragten der Minderheitenseite attestiert: „Sie sind ja trotzdem ganz fröhlich!“ Darf ich nicht fröhlich sein, wenn ich einer Minderheit angehöre? Ist es per se schlecht, „Minderheit“ zu sein? Fragen, die ich gern diskutiert hätte. Fragen, für die keine Zeit blieb. Schade.

Dieser Beitrag wurde in der NaBloPoMo-Reihe geschrieben, jeden Tag im Juli ein Post bloggen. Mehr dazu gibt es hier zulesen.

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