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#7 Frei?

Frei? Was heißt das überhaupt? Und wo ist es, dieses frei? Wohin würde es mich treiben, wenn ich gehen könnte, wohin ich wollte? 

Die Antwort ist einfach: ans Meer. Dort, wo es wild ist, die Luft klar und rein, wo das Meer morgens so spiegelglatt und still ist und manchmal sich noch beruhigt von stürmischer Nacht.

Ich überlege, welches Meer es sein könnte – überall. Vermutlich würde ich dem Winter entfliehen. Ich mag ihn nicht, ich mag nur den Sommer, auch, wenn ich in den letzten Jahren die Winterwelt der Berge zu schätzen lernte mit unglaublichem Licht auf den Gipfeln. Doch das Meer ist Freiheit. Nicht das Strandmeer mit geordneten Liegen, mit Handtuchreservierung und den Bars in Reih und Glied. Das einsame, ohne viele Menschen, wo man einfach die Sachen fallen lassen kann,  eintauchen ins Nass zwischen Quallen und Fischen. Ja, es sind Bilder meiner Kindheit. Ich fand sie aber auch am anderen Ende meiner Welt wieder, als ich dort zum Strand fuhr, wohin kein Tourist fährt, wenn ich auf die unbekannteren Keys fuhr, mit glitzernd strahlender Sonne. Das Licht dort, es ist für mich noch immer das ideale Licht. 
Und die Stadt? Ich liebe Berlin, aber die Liebe wird geringer. Berlin ist immer weniger die Stadt, die sie sein könnte. Sie erstummt unter all dem ewigen Einheitssandsteinbetonglasgemisch, unter den Menschen, die immer nur sich selbst am nächsten sind und die Stadt nicht sehen, nicht hören. Ich brauche sie nicht diese Menschen. 
Vielleicht irgendwann werde ich mein Hausboot haben. Eine eigene Insel, mit der man fliehen kann, wenn es einem nicht mehr gefällt an einem Ort, dort, wo es still ist und man selbst entscheidet, wem man Zugang gewährt. Es kann ein kleines Boot sein. Es ist mein Traum. Ich habe nicht mehr viele Sachen. Das meiste ist überflüssig. Ich gab es weg. Es gibt Bücher – natürlich. Es gibt einiges an Kunst – natürlich. Aber sonst? Der Mensch braucht nicht viel, er denkt es nur. Er soll es denken.
Und so lasse ich mich in Gedanken treiben, ans Meer, dort, wo es wild ist und die Menschen rar. Dorthin, wo nicht viele Worte gemacht werden, wo Gesten reichen.

Dieser Beitrag wurde in der NaBloPoMo-Reihe geschrieben, jeden Tag im Juli ein Post bloggen. Mehr dazu gibt es hier zulesen.

Ein Kommentar

  1. Hoffmann Hoffmann

    Ich suche noch Mitpaddler für eine Kajaktour auf der Mecklenburgische Seenplatte. 😉
    Ausserhalb der Ferien ist es auch dort ruhig. Hausboote und kein Wellengang gibts auch.

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