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#15 Einfach sein lassen

Was mich viel beschäftigt ist die Frage, warum Menschen andere Menschen nicht einfach sein lassen können. Ich verstehe es nicht. Ich sehe Partner, die an ihren Partnern herummäkeln, sie ändern wollen, nach ihren Wünschen, ich sehe Menschen, die geradezu zwanghaft andere von ihrer Meinung überzeugen wollen, Menschen, die andere mit Gewalt zu einem Glauben zwischen wollen. 

Und ich verstehe es nicht. Ich verstehe auch nicht, wie Menschen nur nach dem Äußeren beurteilt werden. Als in der Schule der Markenwahn aufkam, stand ich nur verwundert daneben. Ich stehe auch heute verwundert daneben, wenn Menschen sich nur über das identifizieren, was sie am Leib tragen, was sie besitzen. Ich weiß, dass es Wege sind, sich sicher zu fühlen, in einer Welt, die doch immer unsicherer zu sein scheint. 
Es mögen auch die Gründe sein, warum sich immer mehr Menschen dahin gezogen fühlen, wo es klaren Regeln gibt, wo jede Sekunde, jede Tat, jeder Gedanke eine Regel hat, nach der ich mich richten soll. Ich kann es intellektuell verstehen und daher kann ich sie lassen. Ich kann fragen: Warum tust Du das, was Du dort tust so? Und manchmal gebe ich ihnen die Antworten. Ich habe nicht das Ansinnen, ihren Weg ändern zu wollen. Ich will sie verstehen. Und so erwarte ich es auch anders herum. Ich will nicht geändert werden. Ich habe meine Wege gefunden, gerade und krumme Wege, es sind meine Wege, sie gehören zu mir, zu meinem Sein. Und manche Wege geht man zusammen, dann kommt eine Gabelung und man geht andere Wege. 
Wieso aber lasse ich mich auf einen Menschen ein, wenn ich ihn nicht so annehmen kann, wie er ist. Und wenn ich ihn nicht so nehmen kann, wieso lasse ich ihn dann so sehr nah? Was bewegt Menschen, andere ändern zu wollen? Warum muss ich unbedingt jemandem abgewöhnen wollen, dass er den Tee nicht immer mit einem Zungenstups auf Trinktemperatur testet, wie er es schon immer gemacht hat. Wieso muss ich ihn überzeugen, dass mein Weltglaube, der richtige ist? Wieso kann ich nicht einfach in meinem Weg ruhen und mich daran freuen, dass jemand ein Stück mit mir geht? All das ist mir fremd und ich verstehe es nicht. 
Wäre nicht so vieles einfacher, wenn wir nicht immer meinen, Recht haben zu müssen, nur, um uns selbst von der Richtigkeit unserer Wahl zu überzeugen? Was bewegt Menschen missionieren zu wollen für was auch immer? Ist es nicht viel bereichernder, einfach kennenzulernen, zu wissen und vielleicht auch das eine oder andere Gute mit in das eigene Lebensrepertoire aufzunehmen? 
Das Leben und die Menschen können so spannend sein, wenn wir uns nur einfach auf sie einlassen würden, wenn wir lernen würden voneinander, nicht verurteilen, was uns fremd ist. Uns einfach nur annehmen und nicht schaden. Mehr ist es doch gar nicht. Mehr braucht es nicht. 
Dieser Beitrag wurde in der NaBloPoMo-Reihe geschrieben, jeden Tag im Juli ein Post bloggen. Mehr dazu gibt es hier zu lesen.

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