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Der Holocaust Cartoon Contest

Gestern lief über Haaretz die Nachricht, dass der Iran wieder zu einem „Holocaust Cartoon Contest“ aufrief. Sonst hat man davon wenig gehört in den westlichen Medien, die doch so schön damit provoziert werden sollten. Der erste „Wettbewerb“ dieser Art fand 2006 statt, jetzt der zweite. Sehr vermutlich  als Antwort auf Charlie Hebdo.

Beim Lesen der Nachricht überkam mich lediglich Gähnen. Vielleicht ist man, bin ich inzwischen schon zu abgebrüht. Vielleicht kann ich es einfach nicht mehr hören, nicht mehr lesen. Provoziert das überhaupt noch irgendwen? Und warum nicht? Ist es überhaupt wirklich bis an die Europäische Gesellschaft gedrungen? Ich bin zwiespältig und es lässt mich eben nicht los, diese Frage.

Ein paar Gedanken dazu: Ich denke nicht, dass man dieser Ankündigung zuviel  Aufmerksamkeit schenken sollte, denn darauf zielt sie hinaus. Man will

„display the West’s double standard behavior towards freedom of
expression as it allows sacrilege of Islamic sanctities…“

Das lässt mich eher amüsiert schmunzeln. Die Doppelstandards der westlichen Welt wollen sie zeigen. Demnach sind Juden also die Westliche Welt per se. Dass das viele Rechte anders sehen, und auch reichlich sich nicht in diese Ecke einordnenden Menschen anderer Meinung sind, zeigt wieder, dass man nicht so richtig wohin weiß, mit uns. Warum müssen wir immer Symbolbild für irgendwas sein? Warum werden wir immer mit anderen Augen gesehen als jeder andere Mensch? Ich werde es nie verstehen.

Und weiter:

„but prevents
research on the Holocaust due to the Zionist regime’s steadfast
opposition.“

Da haben wir es wieder, wir verhindern natürlich auch wirkliche Forschungen zur Shoa. Was käme auch sonst dabei heraus? Dass es sie nicht gegeben hat natürlich, dass all die Menschen, dieser Tage, die wenigen Überlebenden lügen. Dass alles eine große zionistische Verschwörung ist.

Warum nimmt man nicht meinethalben einen Wettbewerb von Cartoon gegen die evangelikale Kirche in den USA? Oder auch die Politik Europas, wenn es nicht ganz so weit weg sein soll? Ganz richtig, der geplante Effekt wird nicht erreicht. Ich hoffe, trotz meiner Gedanken, er wird dieses Mal nicht erreicht. Ich hoffe, die Welt wird sich nicht vorführen lassen. Lasst sie doch zeichnen und sich stark und mutig fühlen. Lasst sie ihre Meinung äußern, wie sehr „wir“ die Welt beherrschen, wie „wir“ alles kontrollieren. (Btw. ich finde, wenn es so wäre, machten „wir“ eine ziemlich schlechte Arbeit)

Ja, wir Weltbeherrscher. Uns ist langweilig, deshalb setzen wir uns freiwillig Repressalien aus. Deshalb müssen in jeder Generation, Menschen aus ihrer Heimat fliehen, nur, weil sie Juden sind. Deshalb müssen sie noch immer um ihr Leben fürchten und deshalb gibt es auch nur so wenige Fluchtmöglichkeiten. Deshalb werden Juden noch immer auf dieser Welt gekennzeichnet. Deshalb gibt es in vielen Ländern keine Juden mehr und in einigen werden die letzten verschwinden. Es lebt sich schön, in diesem Sonderstatus. Nein, das tut es nicht. Wirklich frei sind wir nicht. 

Und irgendwann, nach dem Lesen des Artikels kam der Gedanke, dass es vielleicht auch nur so ruhig ist auf den anderen Kanälen, nicht, weil wir Fanatikern kein Forum geben sollen, nicht, weil wir eben Stifte sprechen lassen wollen, ob sie uns gefallen oder nicht, sondern weil es doch einfach zuviele Menschen auf der Welt gibt, die all das gar nicht so falsch finden.

2 Kommentare

  1. Noa Noa

    danke Juna

  2. Chajm Chajm

    So sieht es tatsächlich aus. Dritte Variante: Es liegt an denen, denen das einfach sehr egal ist. Davon soll es ein paar geben, Dass es nahezu gleichbedeutend mit »gutfinden« ist, muss man vielleicht nicht extra erwähnen…

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