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Buchbetrachtung: Michel Houellebecq – Unterwerfung

Nun also doch. „Unterwerfung“ stand auf meiner Liste – ist aber nach den Anschlägen von Paris deutlich nach hinten gerutscht. Soviel wurde interpretiert, so wenig wirklich gesagt, ich verlor das Interesse. Bücher, die bewusst provozieren wollen langweilen mich. Aber ist das hier der Fall? Nachdem eine Freundin geradezu schwärmte, wagte ich mich also doch ran. Und ganz wie sie, las ich es in zwei Tagen durch. Es ist ein schmalen Buch, in einfacher Sprache, mich schmunzelnd teils an die französischen Büchern meiner Jugend, die im elterlichen Haus zu finden waren, erinnernd. 
All sie haben gemeinsam, dass sie in deutlicher Sprache die sexuellen Phantasien des Autors schildern. So amüsierte mich Houellebecq geradezu mit seiner schlichten Fixiertheit, seine Freuden am (straffen) jugendlich-weiblichen Körper. Vor meinem Auge sah ich indes den Autor selbst, was alles noch amüsanter bis vorausschaubar machte. Irgendwie alles sehr französisch. Aber skandalös? Man dichtet wohl zu viel hier hinein. Ich denke nicht, dass es wirklich beabsichtigt war, ein kritisches Buch zum Islam zu schreiben, überhaupt ein kritisches Buch. Es ist ein gemütliches Buch über einen Mann in Lebenskrise, dessen hauptsächliche Sorge es doch war, an das von ihm begehrte junge Fleisch zu kommen. Als Atheist aus der inzwischen islamischen Universität entlassen, entzogen sich ihm die Möglichkeiten….und so geht man Kompromisse ein – oder lässt sich überzeugen?

Ich habe es gern gelesen. Die Seiten fliegen dahin, man wird nicht gelangweilt. Möchte man hochgreifen, kann man dem Buch zugestehen, dass es die Frage, was den Reiz den Islam ausmachen möge, einfach beantwortet. Houellebecq allerdings geht hier die einfachen Wege. Seine Religionsvergleiche sind oberflächlich und bewegen sich lediglich zwischen Katholizismus und Islam…
Soll man, muss man es gar lesen, um mitreden zu können in der Diskussion um die Gefahren des Islams? Mit Sicherheit nein. Auch sonst verpasst man, außer unterhaltsame Stunden, nicht viel. Mir hat am meisten Freude gemacht, dass es sich wirklich gut – aber nicht literarisch wertvoll lesen lässt. Wären nicht die Anschläge gewesen, so hätte man mich Sicherheit viel weniger unterstellt.
Lesen Sie’s, machen Sie sich ein paar unterhaltsame Stunden.

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