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Ausstellungsrundgang: Gottfried Lindauer. Die Māori Portraits in der Alten Nationalgalerie

Gottfried Lindauer
Huria Matenga Ngarongoa (Julia Martin), 1874
67,5 x 56 cm, Öl auf Leinwand
Auckland Art Gallery Toi o Tāmaki,
Geschenk von H. E. Partridge, 1915

Gestern zwischen zwei Terminen war noch etwas Zeit, ins Museum zu gehen. Das Berliner Museumsparadies hat reichlich Auswahl, doch schon eine Weile stand nun die Māori Ausstellung in der Alten Nationalgalerie auf meiner Liste.

Ganz oben in der dritten Etage warten die Portraits auf den Besucher und mit ihnen eine große Überraschung – jedenfalls für mich. So erwartete ich einen Raum mit ein paar Bildern, wie üblich mit Angabe des Bildnamens, vielleicht noch ein paar Hintergründe, wie Lindauer dazu kam, die Māori zu malen. Also das, was man von der Alten Nationalgalerie erwartet.
Doch dieses Mal ist das Gegenteil der Fall. Es erwarten einen farbgewaltige präzise Portraits die soviel Lebendigkeit und Würde ausstrahlen, wie ich nichts Vergleichbares kennen würde. Im hinteren Teil (im Bogen, für die, die die Nationalgalerie kennen) befinden sich eine weitere kleine Ausstellung mit Fotografien. Viele der Bilder sind von diesen Fotografien entstanden und sind doch um so vieles aussagekräftiger als die Fotografien, von denen wir doch immer meinen, sie würden die Wirklichkeit abbilden.

So kann ich sehr gut verstehen, warum die Portraits der Ahnen für die Māori von heute so wichtig sind. Warum überhaupt die Bilder das erste mal Neuseeland verlassen durften.

Ich kann nicht viele Worte finden für meine Begeisterung, die ich auch verbal überall verbreite. Und noch etwas hat mich positiv überrascht: jedes Portrait hat eine ausführliche Beschreibung in Deutsch und Englisch, wer die dargestellten sind, was die Kleidung, die Accessoires, die Tätowierungen bedeuten. Man sollte also Zeit mitnehmen, Lese- und Lernlust noch dazu. Es lohnt sich. Wer ganz viel Muße hat, sollte auch die Gelegenheit nutzen, sich die Dokumentation zu den Portraits anzusehen – viele Folgen einst fürs Fernsehen produziert, werden mit deutschen Untertiteln gezeigt.

Was ich schade finde ist, das das Begleitprogramm doch etwas phantasielos daher kommt. Hätte man doch bei diesem Thema aus dem Vollen schöpfen können. Eine Kooperation mit den Ethnologischen Museum z.B. kommt mir gerade als spontane Idee, Kombiführungen, Thementage, Kinderprogramme…. Da gehören sie schon beide zu den Staatlichen Museen Berlins und dennoch? Den Museumsmenschen lässt das etwas verwundert zurück.

Und übrigens, ich liebe die Alte Nationalgalerie trotz ihrer (in meinen Augen) Mankos über alles. Schließlich ist sie eines meiner Kindheitsmuseen. Das allerdings heißt nicht, dass man Dinge nicht ändern könne über die Jahre. Ich vermisse noch kindgerechte Beschriftungen an ausgewählten Werken. Das sollte sich inzwischen auch durchgesetzt haben.

Fazit zur Ausstellung: Unbedingt empfehlenswert!

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