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5 Jahre zuvor, Erinnerung an ein Jubiläum

Heute, am 9. November scheint Deutschland im Taumel zu sein, wieder ein Taumel. Manch einer denkt noch an die Pogromnacht, manch einer noch an all die anderen Dinge, die an diesem deutschesten aller Tage geschahen.

Ich denke jetzt und hier an meinen ganz persönlichen Tag. Das letzte Jubiläum, der 9. November 2009. Die Zeit ist gerast. Es war eines der glücklichsten Tage meines Lebens und seit dem immer verbunden mit diesem grauen Tag, wie heute.

Damals war es kalt, viel kälter als heute, es hat fürchterlich geregnet und durch die Stadt waren diese Dominomauerstücken aufgestellt.
Und ich? Ich finde dieses Brimborium bis heute albern, denke bis heute, dass man mit all dem Geld, der für diesen Kitsch verwandt wird auch gut und gerne den Opfern helfen könnte und vielleicht auch aktuell viel zur Verbesserung der Situation der Flüchtlinge in diesem Land tun könnte. Doch das spielt jetzt und hier in diesen Zeilen nur eine Nebenrolle, denn das hier ist eine Art Liebesbrief. You will read it, I know…

Wir waren wieder zusammen. Etwas, an das wir vielleicht selbst nicht glaubten. Du hattest es geschafft, zu diesem Tag in die Stadt zu kommen. Tage, im privaten Taumel. Tage, die mir auch begreiflich machten, dass man anders auf diesen 9. November schauen kann. Mit Neugier. Nicht mit verpflichteter Betroffenheit. Tage die mir zeigten, dass alles geht an diesem Tag. Und Tage, in denen ich mit Dir sein durfte und nichts aber auch nichts mehr schien, schaden zu können. Mit Dir konnte ich einfach nur sein, wer ich bin. Ich musste nichts erklären. Keinen Zwiespalt zwischen diesen 9. Novembern, keinen Zwiespalt zwischen meiner Herkunft. Ich konnte Dir alles sagen, ohne dass Du geschockt warst. Du warst einfach nur neugierig. Ohne all dieses Selbstverbieten, dass (uns) Deutschen doch so eigen ist. Du hattest einfach nur das Strahlen in den Augen und das Glück darüber, dass wir uns ohne all das doch nie kennengelernt hätten. Und doch schienen unsere Begegnungen durch die deutsche Geschichte geprägt. Das erste Mal war es die Shoa, die Dich nach Deutschland brachte, nun das Mauerfalljubiläum…und ich, die ich irgendwie zwischen all dem war.

Ich liebte Dich so dafür, wie Du alles betrachtetest, ohne Gültigkeitsansprüche. Ich liebe Dich noch immer dafür. Ich liebte Dich für das Hinterfragen, für das Wundern und das Amüsieren über „diese Deutschen“, ohne Überheblichkeit. Doch eines blieb immer: „Ihr seid zu ernst, Ihr solltet mehr tanzen.“. Heute bist Du unglücklich in Deinem Land, das doch immer so offen war und sich immer mehr schließt und verschließt, in dem Hierarchien inzwischen wichtiger zu sein scheinen als denkende fühlende Menschen…es gibt mir zu denken. Unsere Kontakte sind seltener geworden, aber sie sind noch da. Noch immer umgibt mich Deine Stimme wie eine warme Decke, in die ich mich einhülle.Wir leben unsere Leben, gute Leben heute, fern voneinander.

Was bleibt, trotz allem ist unsere Liebe. Und der Tee und Champagner am 9. November im Lustgarten…Thank you for everything, thank you for being you.

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