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Ausstellungsrundgang „The Eyes of War“ im Deutschen Historischen Museum Berlin

Eher zufällig erfuhr ich von der neuen Ausstellung „The Eyes of War“ im DHM. Am vergangenen Donnerstag bot sich Gelegenheit, vorbeizuschauen.

Gezeigt werden hier Portraitfotografien von Martin Roemers. Menschen, die durch die Kriege und ihre Auswirkungen ihr Augenlicht verloren – und teilweise nicht nur das. Begleitet werden die großformatigen Nahaufnahmen durch Ausschnitte aus Interviews mit den Dargestellten.

Man muss nicht viel zum Inhalt sagen, ein paar Sätze habe ich mir notiert und möchte sie hier für die Ausstellung sprechen lassen:

Edith van der Meulen (Niederlande, 1931) © Martin Roemers, Delft

„Ich bin keineswegs schwerbeschädigt, ich bin blind.“
(Edith van der Meulen, Niederlande)

„Gott hat es so gewollt, um mich für meine Sünden zu strafen. Über meine Sünden möchte ich nicht reden, das ist mein Geheimnis. Aber ich weiß, dass ich meine Strafe verdient habe.“
(Heinz Dembrowski, Deutschland)

„Wenn ich das Augenlicht wieder erlangen könnte, würde ich gern Landschaften und Gemälde sehen.“  
(Barbara Bell, Großbritannien)

Karl Chromik (Deutschland, 1922), © Martin Roemers, Delft

 „Aber von den Frauen halte ich mich fern, denn ich will auch ein bisschen Ruhe“
(Karl Chromik, Deutschland)

„Dieser Sergeant hat mir eine Granate zugeworfen. Was mit ihm passiert ist, weiß ich nicht.“
(Albert Serdet, Großbritanien)

„[…] aber ich war dumm und hatte keine Angst.“
(Gerda Degenhardt, Deutschland)

Es ist keine Ausstellung, die nur von Schmerz und Leid erzählt. Das tut sie auch. Doch sie erzählt vor allem auch vom Leben. Positioniert so manches „erste Welt Problem“ wieder dorthin, wo es hingehört, macht nachdenklich aber auch guten Mutes. 

Man sollte Zeit planen. Die Texte sind kurz und auch alle lesbar, Ermüdung tritt nicht ein. Leider ist es dem Design nicht gelungen, auch eine
englischsprachige Variante unterzubringen. So muss man sich mit
Extraheften bedienen, die am Eingang zu finden sind, so wie im Übrigen auch die Variante in Braille. Der Versuch aber, die Ausstellung mit Blindenleitsystem auszustatten ist m.E. gelungen. Wirklich beurteilen können das allerdings nur die Fachleute selbst. Die Kontraste auf dem Boden sind vermutlich zu gering, werden aber durch die Verwendung von schleifpapierartigem Material wettgemacht.

Der einzige Knackpunkt, der gerade bei solch einer stillen Ausstellung, aber auch sonst (noch) im DHM auffällt ist die Wahl der Audioguidemodelle. Es gibt heutzutage tatsächlich auch Geräte, die es erlauben, die anderen Ausstellungsbesucher mit ihrer Beschallung nicht zu stören. Mich haben sie (wieder) extrem irritiert und gestört. Gerade weil dies eine Ausstellung auch für Blinde sein soll, wäre es gut gewesen, diesem Punkt hier auch mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Ist ein Sinn eingeschränkt, so werden die anderen wacher. Wenn mich die Beschallung schon stört…

Ergo, unbedingte Besuchsempfehlung! Lesen, Zeit nehmen, wirken lassen. Wirklich gelungen. Danke dafür, DHM!

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