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Erinnerungen an 9/11

Vor nun 13 Jahren saßen wir um diese Zeit im Keller des Jüdischen Museums. Die Eröffnung für das Publikum sollte um 15 Uhr sein. Am Tag zuvor war der sogenannte Stiftertag, an dem all jene das neue Museum besichtigen konnten, die dazu beigetragen hatten, dass es eben nicht nur leere Hülle blieb, sondern ihre Erinnerungen und Erinnerungsstücke schenkten. Für mich persönlich war dies die eigentliche Eröffnung, nicht die feierliche Eröffnung mit seinen Reden, seinen Prominenten, sondern dieser stille Tag am 10. September 2011.
Am 11. September, die Flugzeuge waren bereits in die Türme geflogen, saßen wir also dort. Ich weiß nicht mehr, ob die Panzer schon an diesem Tag vor das Museum gefahren worden und dann Wochen, vielleicht Monate dort blieben.
Nach Stunden wurde entschieden, nicht zu öffnen. Stunden, in dem das neu zusammengesuchte Team an Besucherbetreuern sich in einer Art kennenlernte, die nicht nur die beste war. Es gab die Menschen, die Freunde hatten, um deren Schicksal sie nicht wussten, Menschen, die selbst lange in New York lebten oder von dort kamen, Menschen, die einfach noch ihre Fassung suchten. Und erschreckend viele, die offensichtlich nichts empfanden und es auch sagten. Es war ihnen egal.

Zwei Dinge verbinde ich selbst mit diesem Nachmittag im Keller: zum einen, das Gefühl, dass die Hoffnung auf eine bessere Welt, die Hoffnung auf ein Leben ohne Kriege zwischen Ost und West, gestorben ist. Die kurze Phase, die mit dem Fall der Mauer begann war für mich an diesem Tag vorbei. Und dennoch ahnte ich nicht, was noch folgen würde, in welcher Welt wir heute leben würden. Zum anderen ist meine Erinnerung bestimmt von dem Kollegen, der schon gleich meinte, dass da „die Juden“ dahinter stünden. Die Türme kaum eingestürzt, die ersten Schätzungen der Opfer nicht nur in New York wurden veröffentlicht, schon kam die erste Verschwörungstheorie und das erste Mal für mich, dass ich mit solcherlei Aussagen konfrontiert sein würde. Es würde nicht das letzte Mal gewesen sein.
Dieser Tage war es das Flugzeug, das vor Australien abstürzte und lange entschwunden war, dann gefolgt vom Flugzeug, das über der Ukraine abgeschossen wurde.

Die Arbeit begann zwei Tage später. Der Kollege, der laut meiner Erinnerung nicht lange bei uns blieb, wurde von anderen direkt zurechtgestutzt. Dennoch, das ist was blieb, jedes Jahr heute kommt die Erinnerung wieder. Etwas später zog ich nach New York. Es folgten Jahre des Pendelns nach Berlin…und jedes Mal flog auch die Angst mit, die Angst vor unberechenbaren Menschen. 

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