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Der letzte Tag

Das ist er also nun, der letzte Tag. Der letzte Tag im Museum in Mitte. Ich gehe mit mehr lachendem Auge als weinendem…eigentlich weine ich gar nicht. Ich bin froh, dass es vorbei ist. Was ich vermissen werden sind hauptsächlich die Kollegen und die schönen Gespräche mit den Gästen. Doch davon gab es nach und nach immer weniger.
Und dennoch verbindet mich viel Privates hier mit diesem Hof, diesem Ort. Doch Erinnerungen kann man nicht kappen. Sie bleiben in einem.

Ich hätte weitermachen können, bei diesem Hostessendienst, der ab morgen übernimmt. Doch es war so oder so Zeit für mich zu gehen.

Was ich nicht vermissen werde ist die Erwartung, trösten zu können im Angesicht des Leids, dass man hier sieht. Wie soll ich trösten für etwas, was die Leute nicht taten? Ich muss aber auch nicht mehr ertragen, wie Menschen versuchen die Taten zu rechtfertigen. Nach nunmehr 13 Jahren nur in diesem Thema…man bekommt eine ungesunde Weltsicht. Es fällt immer schwerer, unvoreingenommen zu sein – leider. Nicht umsonst muss man in anderen Einrichtungen dieser Art irgendwann aufhören. Es ist nicht gut für die Seele.
Und nicht nur thematisch ist es nicht gut für die Seele. Auch die immer mehr zunehmende Unfreundlichkeit der Menschen tut nicht gut, ganz zu schweigen von der offensichtlic ebenso zunehmenden Dummheit. Nun, positiv betrachtet, sie kamen wenigestens hier her. Vielleicht hat es ja etwas gebracht.

Meine Geschichte, die mich doch auch irgendwie hier her verband bleibt nun auch meine Geschichte. Ich kenne die guten Seiten. Ich weiß um die guten „Deutschen“, die halfen, ob nun mit oder ohne Bestechung. Sie taten es. Ohne sie würde es auch mich wohl nicht geben. Wer weiß das schon?

Der immer mehr zunehmende Tourismus macht so kleine Orte der Stille, die sie doch eigentlich sein sollen, zu Massenabfertigungshallen. Auch das ertrage ich nicht länger. Was soll man hier noch spüren, wie zur Ruhe kommen, den Ort wirken lassen, wenn es doch nur ein Haken auf der Liste der fünfzigköpfigen Gruppe ist.

Es ist vorbei und es ist gut so. Wir schließen das Buch. Öffnen uns für Neues und hoffen für die liebgewonnenen Kollegen, dass sie Aufgaben finden, in denen sie aufgehen und von ihnen leben können. Und an Museen appeliere ich immer wieder, schauen Sie beim Ausstellungspersonal nicht auf die Kosten, sondern auf das Engagement, das Wissen, die Freude an der Arbeit. Auch, wenn Sie dann an anderer Stelle kürzen müssen. Zufriedene Besucher werden es Ihnen danken, indem sie neue Gäste schicken. Darauf kann man zumindest als kleines Haus nicht verzichten. Klar, riesige Gruppen bringen Zahlen – aber der Bildungsauftrag, den man auch als Gedenkstätte hat…den kann man damit nicht erfüllen. Und auch nicht, in dem man Personal einstellt, dass lediglich den Weg zur nächsten Toillette zu weisen weiß. 

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