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Abgrenzungen – von außen und innen

Sicherheitszaun des Bundesgästehauses auf dem Petersberg bei Bonn

Der Artikel im Tagespiegel „Wann werden sich Berlins Juden nicht mehr verstecken?“ von Titus Chalk, und die Diskussion heute morgen auf Twitter mit ihm hat mich doch angeregt, meine Gedanken dazu niederzuschreiben.

Das Foto, dass die Zeitung für den Artikel wählte, ist mehr als bezeichnend für den Blick auf die Dinge, die von außen betrachtet in der Tat nach verstecken und absondern aussehen mögen. Und zum Teil ist es auch so. Dennoch, wir sollten Trennen.

Das Foto zeigt das Jüdische Museum Berlin, einer Bundesstiftung, die nichts mit der Jüdischen Gemeinde oder dem Zentralrat (auch, wenn das gern angenommen wird) zu tun hat. Es ist ein ganz normales Museum sozusagen wie die Museumsinsel oder das Naturkundemuseum. Nur sieht die Polizei hier ein besonderes Gefährdungspotential. Die Sicherheitsvorkehrungen vor und in dem Haus werden je nach Gefährdungslage verstärkt oder eingeschränkt. Es wird von der Polizei vorgegeben. Die dramatischste Zeit war wohl der Anfang, 2001. Was viele nicht wissen, das Museum sollte am 11. September 2001 eröffnen. Es wurde verschoben, die Welt weiß warum. Aber auch andere Museen stehen unter besonderem Schutz, wie übrigens auch die Botschaften der Stadt. Nicht immer ist ein Mitarbeiter vor der Tür postiert, manchmal fährt nur jemand stündlich vorbei und schaut nach dem rechten. Dinge, die man gemeinhin nicht mitbekommt.

Und die Gemeinde? Da sieht es ähnlich aus, der Schutz draußen wird von Profis eingeschätzt. Die kommen nicht von der Gemeinde, sondern wiederum von der Polizei. Zusätzlich hat die Gemeinde noch private Wachfirmen beschäftigt und wenn man ganz viel „Glück“ hat, kommen die Jungs aus Israel und sind entsprechend drauf. Alles in allem eine wenig einladende Situation. Besonders, wenn man mit Freunden in die Synagoge will, und der junge Mann einen nicht rein lassen will, weil er den Partner nicht kennt. Diverse Testfragen werden gestellt. Es ist erbärmlich. Persönlich halte ich nichts davon. All dieser „Schutz“ bringt letztlich doch wenig, wenn wir einen Blick nach Brüssel richten. Wenn jemand will, dann schafft er auch Waffen, Bomben etc. rein. Die Metalldetektoren mögen davor schützen, dass es Kurzschlusstäter gibt, die abgeschreckt werden. Aber so richtiger Schutz?
Ich bin kein Freund davon. Zu oft wird es von außen eben genau so betrachtet, wie auch beim Autor: „Die Juden würden sich abgrenzen“. Doch im Museum? Das ist absurd. Man sucht es sich nicht aus. Es wird oktroyiert. Und manch einer fühlt sich irgendwann ganz wohl darin. Ich gehöre nicht dazu.

Nehmen wir das weitere Beispiel des Beth Cafés. Sehr schön beschrieben die Athmosphere. Ich persönlich habe mich dort nie wohlgefühlt und hatte auch den Eindruck, dass das nicht gewünscht ist. Was ist aber z.B. mit dem Bleibergs? Es ist schon sehr sehr lang her, dass ich dort war. An Sicherheitsmaßnahmen kann ich mich nicht erinnern. Ein normales Café, in dem es eben auch koscher zugeht. Vielmehr denke ich und sehe es auch in anderen Zusammenhängen, dass Addas Jisroel sehr gern unter sich bleibt und sich nicht gern in die Karten schauen lassen will, in jeder Richtung.

Persönlich, als Berlinerin und irgendwie ja auch jüdisch, weg mit dem Zeug, weg mit den Polizisten. Man kann Objekte auch anders bewachen als mit stetigen Hamburger Gittern vor der Tür. Sollten konkrete Bedrohungen vorliegen, dann kann man alles hochfahren, was man ja auch tut.

Aber andererseits und das mag ketzerisch sein, ist es natürlich auch ein besonderes Gefühl, wie ein seltener Edelstein bewacht zu werden. Es ist aber kein besonderes Gefühl, wenn man sich beim Verlassen der Sysagoge noch verquatscht und dann von den Wachleuten vertrieben wird, weil man sich ja irgendwie zusammenrottet. Fragen Sie mich nicht. Die Situation ist absurd und verfahren. Die „deutsche“ Seite der Polizei stuft Einrichtungen, die irgendwas mit Jüdisch zu tun haben hoch, schon mal vorsorglich, die Gästeseite sieht es dann so, dass die Juden das so wollen. Das mag in Teilen durchaus stimmen, vielen aber ist es noch immer trotz der Gewöhnung nicht Recht und sie hätten es viel lieber anders. Öffnet die Synagogen. Lasst die Menschen sehen, dass wir da keinen Hokuspokus veranstalten. Dass es schön ist in der Synagoge, im G’ttesdienst. Dann gehen sie vor allem nicht nur in die eine Synagoge am Ort, die dann meist mehr Touristen zu Gast hat and die nötigen Juden.

Was bleibt ist das Dilemma, die eine Seite sieht die Sicherheitsmaßnahmen als nötig, die andere, so gesicherte Seite mag sich daran gewöhnen und glaubt auch an die Notwendigkeit, und die die draußenstehen, werfen den vorgeschrieben geschützten, das selbe vor. Irgendwas knirscht da im System.

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