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Jiddische Wortgebrösel

Man mag es mir nachsehen, doch eben beim Netzstöbern fiel es mir wieder auf, dieses aufgesetzte Jiddischsprechen einiger Religionskollegen hier in Deutschland.

Ich liebe Jiddisch, doch ist es für mich Erinnerung an die einzelnen Worte die bei der Großtante spielen, ganz so, wie der Ostpreußische Dialekt der anderen Großmutter. Es sind warme Erinnerungen, einer vergangenen Zeit. Nicht weniger – aber auch nicht mehr. Jiddisch wird zwar inzwischen wieder aus den Schubladen geholt, man lehrt es an den noch immer aus dem Boden spießenden irgendwie jüdisch angehauchten universitären Instituten – doch ist es nicht zumindest hier keine Lebendigkeit? Das osteuropäische Jiddisch ein ganz anderes und von den Diskussionen mit New Yorker Yiddish-sprechern ganz zu schweigen. Diese negieren komplett, dass Deutsch eine nicht unerheblichen Anteil der Sprache ausmacht – egal aus welcher Region. Jiddisch in seinen vielen Variationen verlässt das Land des Klezmer und scheinbar wird vergessen, dass es nicht DAS Jiddisch an sich gibt. Es wird vergessen, dass Jiddisch zumindest unter den Deutschen Juden nicht gerade üblich, wenn nicht sogar verpönt war. Tantchen nutzte auch nur die Kosewörter, sonst spräche man stets Hochdeutsch.

Doch zurück zum Punkt. Muss ich tatsächlich ständig mehr als übliche Worte auf Jiddisch einfließen lassen, um auch dem letzten Gegenüber klarzumachen, wes Geistes Kind, bzw. welcher Religion ich bin? Albern, überflüssig – und zumindest mich hochgradig nervend. Um auf Vorangegangenes zurück zu kommen, ich fange ja schließlich auch nicht an, den Dialekt der Großmutter zu sprechen, damit man merkt, dass die Ahnen aus einem vergangenen Land kommen. Albern.

Wie dem auch sei. Man hat offensichtlich die Wahl. Man kann alles mit „Oiwej“ kommentieren, die Zizit lang herausbaumeln lassen, die Kippa mehr als Augenscheinlich immer zurechrücken, damit man alles ja nicht übersieht, man könnte sich auch schlicht ein Schild umhängen, beschriftet: „Achtung, ich bin Jude, pass also auf, was Du sagst“. Oder was soll das? Habe ich es falsch verstanden, dass man sich nicht herausstellen soll? Nicht auffallen? Sich nicht als Besonderes markieren? Mich regt es auf und deshalb musste es in Worte gefasst werden. Nun ist es besser. 

1 kommentar

  1. Anonym Anonym

    Du hast in Worte gefasst, was auch mir schon länger "aufstößt" – danke!

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