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Rechtsfragen – Gerechtigkeitsfragen

Es gab einmal eine Zeit, in der ich überlegte, in die Jurisprudenz zu gehen. Ich wollte das auch Interesse und Leidenschaft für Gerechtigkeit. Glücklicherweise muss ich heute sagen, wurde ich von Juristen gewarnt, diesen Weg einzuschreiten. Des Gerechtigkeit hat bekanntlich nichts mit Recht zu tun. 

Auch jetzt bemerke ich es wieder sehr. Selbst Recht hat offensichtlich immer weniger mit Recht zu tun, Recht wird ausgelegt, verbogen ohne Sinn und vor allem ohne Gewissen. Es erregt mich, macht mich wütend, hilflos. Das, was es außerdem bewirkt ist ein Nachdenken, ein Nachdenken, warum wir unsere Gesetze haben. Und damit meine ich nicht unsere heutigen zivilen Gesetze, sondern die uralten, die uns allen so sehr ins Blut übergegangen sind (besser sein sollten), dass man schon nicht mehr darüber nachdenken muss. Oder, dass man sie vergessen hat. Mir scheint, in das Wort Gewissen spielt eine immer geringere Rolle. Was ist passiert, dass Menschen nur und einzig an sich denken, im wahrsten Sinne über Leichen gehen und ihre Mitmenschen töten, seelisch, menschlich, physisch. Was musste geschehen, dass die Welt (wieder) so kalt wurde? 
Es gibt Momente in denen mich jeglicher Optimismus verlässt. In dem ich sehe, wie nicht nur im großen sondern auch im kleinen vergessen wird, wenn es um ein Großes geht, nur um das kleine unwichtige Selbst zu befriedigen. 
Was ist mit Hillel? 

„Was dir verhasst ist, das tue deinem Nächsten nicht. Das ist die ganze Tora, alles andere ist Auslegung. Geh, lerne!“

Das ist doch nicht nur Juden bekannt, das ist nicht nur jüdisches Wissen, das ist Weltwissen, unabhängig jeglicher Religion. Was wird in den Häusern gelehrt, zu hause, den Kindern, in den Schulen, dass es nur noch heißt: „Erst ich, dann alle anderen!“.

Es gibt Momente, da verzweifle ich an der Welt, an der Welt, wie sie ist im Moment und wie sie wahrscheinlich bleiben wird. Es gibt Momente, an denen ich nicht daran glauben kann, das es Gerechtigkeit gibt. Dass gute Menschen über das Schlechte siegen. Sie alle scheinen irgendwann, so sich die Möglichkeit gibt, die Fronten zu wechseln.

Und dennoch ich werde nicht aufgeben, ich werde mich nicht ändern. Auch, wenn andere die weiten Reisen machen werden, weniger Existenzängste haben, gelassen in die Zukunft sehen. Ich denke doch, irgendwo ganz tief drin, und wenn es nur am letzten Tag ist, werde sie erkennen, wie einsam und klein sie sind.

Vor einigen Wochen hatte ich ein Gespräch mit einer Nonne, die nicht mehr daran glaubte, dass es heute Menschen gäbe, die andere unter Einsatz ihres Lebens andere retten, verstecken würden. Ich glaube noch immer daran, muss es tun. Bin ich doch selbst Ergebnis solchen Versteckens. Dennoch bleiben Zweifel und sie werden größer….egal, wo ich bin auf der Welt…es würde immer schwieriger.

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