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Missbrauch

Ich möchte heute wieder auf ein Thema zu sprechen kommen, von dem ich dachte, dass ich es hinter mir gelassen habe. Das Thema Missbrauch der Herkunft.

Das Thema hat zwei Seiten: der der missbraucht und der, der sich missbrauchen lässt, teilweise in vorauseilendem Gehorsam.

Wir schreiben das Jahr 2013, in diesem Jahr „feiert“ man in Berlin das Themenjahr 80 Jahre Machtergreifung der Nationalsozialisten und 75 Jahre Novemberpogrome. Was wir in diesem Jahr aber auch haben, sind Generationen, die nichts mehr damit zu tun haben. Die sich nicht vorschreiben lassen müssen, was sie zu denken haben, sondern selbst in Angesicht dessen, was sie lernen sich ein Bild machen können. Und das auch sehr wohl tun. Ich sehe es täglich in meiner Arbeit. Solange niemand mit dem belehrenden schuldzuweisendem Zeigefinger winkt…doch das ist ein anderes Thema.

Was nun ist konkret geschehen? Es wird versucht, mit dem Argument, man sei Jude resp. Jüdin, Aufträge nicht zu erfüllen. Gut, das steht jedem frei. Wenn ich aber nun in einem Bereich arbeite, der zwangsläufig mit dem Thema Nationalsozialismus zu tun hat, sollte ich mich zwei Dinge fragen, erstens: Habe ich den richtigen Job, wenn ich damit nicht umgehen kann? und zweitens Bin ich professionell genug, von meinem Empfinden Abstand zu nehmen?
Dumm läuft es vor allem, wenn man große Reden schwingt, warum der Auftraggeber keine Ahnung hat, weil ER ja nicht BETROFFEN war. Wenn die Reden anschwellen, immer umfangreicher werden und man so meint, seinen Druck erhöhen zu können, weil ja „die Deutschen“ viel zuviel Angst haben, Juden zu widersprechen. Man könnte ja schließlich in die Schublade Antisemitismus geschoben werden. Gut, dass man prima so sein Ziel erreicht. Und leider und dafür schäme ICH mich als Jüdin, gibt es genug Juden, die so versuchen, ihr Leben zu gestalten. Und leider und dafür schäme ich mich als Deutsche, gibt es genug Deutsche, die sich darauf einlassen. Aber was sollen sie auch tun. Sachliche Argumente werden schleunigst von der Antisemitismuskeule niedergeschlagen. Ob die käme, weiß aber kaum jemand, denn soweit kommt es selten. Lieber gibt man klein bei.

In meinem Fall ist es nur etwas dumm gelaufen. Besagter Auftragnehmer wusste nicht, mit wem er redet und wörtlich, wessen Kind ich bin. Ich habe es nicht gesagt. Ich habe mich aufgeregt und geschämt, da die Kollegen mich befragten, was ich davon halte. Natürlich werde ich gefragt und ich bin froh drum. Denn ich werde nicht anders behandelt, nur, weil ich anders esse, bete, glaube. Ich bin ich. Aber ich habe auch nie weder beruflich noch privat Menschen damit unter Druck gesetzt, was mit meinen Vorfahren passiert ist. Nicht damit was im „Dritten Reich“ geschah, noch in der DDR. Ich erzähle es dem, der es wissen will. Aber ich bin ich, und mein Leben ist jetzt. Und ich bin es leid, mir das von solchen Menschen verderben zu lassen, die ihre zufällige Abstammung als Druckmittel gegen andere verwenden. Das ist unethisch und vor allem ist es ein, unjüdisch. Man ist nichts Besonderes, man ist in manchen Dingen anders, mehr aber auch nicht. Wir haben uns nichts einzubilden auf das Leid, dass unsere Vorfahren erfuhren und erst Recht haben wir kein Recht andere mit der vergangenen Unterdrückung zu unterdrücken. Darauf hat niemand ein Recht.

Wir alle, egal woher wir stammen haben die Verpflichtung, die Welt besser zu machen. Und dabei spielt es keine Rolle, ob man grün, gelb, blau oder lila ist, ob man an Eisraumschiffe glaubt oder an die Verschwörung der Insekten. Es war einer der Momente, derer ich mich schämte. Ich werde diesen Menschen nicht entschuldigen. Wir sind eines Alters. Augenscheinlich ist alles was uns eint die Herkunft aus einem Volk….Familie kann man sich eben nicht aussuchen.

Man darf es sich nicht gefallen lassen so behandelt zu werden, egal aus welcher Richtung.

4 Comments

  1. NOA NOA

    Amen. das kann man nur so unterstreichen, und es ist dem nichts hinzuzufuegen. Danke Juna
    Noa
    shabbat shalom

  2. Respekt
    danke

  3. IWe IWe

    Ich stimme völlig zu, möchte aber darauf hinweisen, daß es meiner Meinung nach einen Bereich gibt, in dem man sich als jüdischer Auftragnehmer verweigern darf: Wenn Nichtjuden denken, sie hätten einen Anspruch darauf, biografische Details des jüdischen Gegenübers zu erfragen, die mit dem vereinbarten Thema nichts zu tun haben (wie haben Ihre Familienangehörigen überlebt?)

  4. Das, was Du ansprichst, ist richtig. Nur hat es nichts mit diesem Post zu tun. Mein Jüdischsein z.B. hat nie eine Rolle gespielt oder es wurde gar danach gefragt. Wir arbeiten alle in dieser Thematik und ich frage z.B. auch niemanden danach, was ihre Großeltern im Krieg gemacht haben. Das ist grenzüberschreitend und gehört sich so oder so nicht.

    Mir geht es lediglich darum, dass man seinen vermeindlichen "Sonderstatus" nutzt, um Dinge durch zubekommen, die man sonst nicht durch bekäme.

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