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Häme

Häme sehe ich allerorten, wenn ich mir die Kommentare während der letzten Tage und Wochen zum „Fall Schavan“ ansehe. Einen leichten Wandel in den Medien kann man inzwischen lesen. Die Frage, die ich mir schon die ganze Zeit stelle. Die merkwürdige Differenz zwischen 33 Jahren seit der Niederschrift der in Frage gestellten Arbeit und der Relevanz heute. Wenn man also die Kommentare liest, liest man Missgunst, Neid und vor allem Häme, dass es endlich mal wieder jemanden getroffen habe, eine, von den Bösen – da oben.
Doch wo ist wirklich das Böse? Ist es wirklich so arbeitsentscheidend, wenn bei einer Arbeit, die älter als ich ist, geschludert wurde? Ist es wirklich so entscheidend für das Fortkommen eines Landes? Wir wissen alle, und ja, wir wissen es, dass es einen massiven Unterschied zum Fall eines gewissen Herrn G. gibt. Fast möchte ich mutmaßen, dass die Anhänger des Herrn nun endlich ihr Feierbier trinken können. Haben sie es doch endlich Frau S. gezeigt. Doch was wurde wirklich gezeigt? Gezeigt wurde in meinen Augen, dass Denunziationen aus Mißgunst und Häme wie eh und je in diesem Land an der Tagesordnung sind. Gezeigt wurde, dass offensichtlich viele Menschen dieses Landes momentan keine anderen Prioritäten sehen, als einer Zeitung folgend sich dem Sport des Ministerstürzen hinzugeben. Relationen werden außer Acht gelassen.
Dass nun die Nachfolgerin als erstes verkündet, dass es wieder Studiengebühren geben wird…ist das nun wirklich das, was gewollt war?

Doch zurück zum Fall S.. Ich kann durchaus verstehen, dass jeder, der sich je durch eine Promotion quälte, diese auch gewürdigt wissen will. Nur sehe ich jetzt, schon in den kleinsten Arbeiten die Technik immer mehr im Vordergrund als den Inhalt. Ich beschäftige mich heute länger damit, Punkte und Klammern in den Fußnoten und Literaturverzeichnissen richtig gesetzt zu haben, als dass ich mich mit meinem Forschungsinhalt selbst zu befassen. Das ist doch nicht mehr normal. Zu schnell könnte aber unterstellt werden, man hätte betrogen. Wir haben heute den Vorteil der Computer. Ich möchte nicht auch nur im Entferntesten nachempfinden müssen, wie eine solche Arbeit ohne Computer zu schreiben ist.
Die Beurteilung der Universität – ist wohl eher Ehrenrettung ihrer selbst als tatsächliche Abwägung. Warum nie auch die Korrektoren zu Rechenschaft gezogen werden ist mir bis heute schleierhaft.

Und die Zeitungskommentatoren? Die Enttarner von wissenschaftlichen Arbeiten? Die Journalisten der einschlägigen Medien? Ich würde mir wünschen, man hätte mit dieser Zielstrebigkeit, wie man heute Träger eines Titels zu verfolgen scheint auch Alt- und Neunazis verfolgt, man würde nur ein Quäntchen von der Energie aufwenden, um die Machenschaften der Stasi aufzudecken und zu bestrafen. Viel weiter wären wir schon. Über Parteiverbote müsste nicht mehr diskutiert werden. Wenn sich nur einmal alle zu unerbittlich zeigen würden, wie darin, Politikern ihre wissenschaftlichen Grade abzuerkennen.

3 Kommentare

  1. »Ich würde mir wünschen, man hätte mit dieser Zielstrebigkeit, wie man heute Träger eines Titels zu verfolgen scheint auch Alt- und Neunazis verfolgt,«

    Dazu kann ich nur sagen »Jepp!«.

    Den Fleiß, den Menschen da an den Tag legen, um Dritte zu denunzieren und zu demontieren, finde ich aber auch irgendwie beängstigend.

  2. Diese Liste habe ich das erste Mal gesehen – und mir wird schlecht, um es knapp zu sagen. Es ist widerlich.

    Genügend Freunde von mir haben promoviert. Noch heute scheinen Leute zu denken, dass man einen Titel braucht, um in bestimmte Weihen aufzusteigen. Außer vielleicht um bei der SBKB zu arbeiten ist dieser allerdings meiner Erfahrung nach mehr als hinderlich. Oft genug werden Promotionen inzwischen angegangen, weil die Kandidaten schlicht keinen Job fanden – Promotionsstellen aber gibt es genug.

    Dass es Listen gibt, mit Rangordnung und Preisen ist einfach nur wider jeglichen menschlichen Anstand.

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