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„Nicht ganz koscher“ – Der Film

Eine Überraschung fand sich vor ein paar Tagen in meinem Postfach. Das Angebot, einen Film zu sehen – und vielleicht darüber zu schreiben. Ich habe mich sehr darüber gefreut und daher nochmal an dieser Stelle, vielen Dank an Holger von Mindjazz Pictures für das Vertrauen.

Filmplakat – Nicht ganz koscher.
Foto: Mindjazz Pictures.

Der Film erschien schon im letzten Jahr, und soweit ich hörte, lief er auch im Begleitprogramm der Ausstellung „Koscher und Co“ im Jüdischen Museum. Auf den ersten Blick geht es um jüdische Speisegesetze. Die Vielschichtigkeit und verschiedenen Auslegungen werden so gut deutlich, wie in keinem anderen Film, den ich dazu kenne.
Sehr schön die Aussage, dass jeder Rabbi seinen eigenen Hechscher (Siegel) hat. Wie oft musste ich schon erklären, dass es nicht nur DAS Zeichen gibt, sondern viele…und je nachdem richtet man sich eben danach – oder auch nicht. Ruth Olshan gelingt es gut, die Vielschichtigkeit des Judentums – nicht nur beim Essen einzufangen. Es gibt eben nicht nur DEN Juden – so wie es eben auch nicht DEN Hechscher gibt.

Und so wandelt sich der Film, der anfänglich so offensichtlich um Koscherzertifikate, Produktionen, Bäckereinen, Schokoladenfirmen etc. geht, zu etwas ganz persönlichem, was mich sehr verbunden mit Ruth machte. Die Suche, nach den irgendwie jüdischen Wurzeln, die Papiere, Geschichten, verschiedenen Auslegungen. Viel hat mich an meine eigene Suche erinnert. Nicht zuletzt, rührte mich der Besuch bei Rabbi Rothschild an. Der, wie immer, kurze kluge tiefe Fragen stellte. Kein Brimborium, kein großes Ausholen. Einfach nur: „Was für eine Jüdin, sie denn sein wolle? Eine moderne Jüdin, eine Doofe, eine zionistische Jüdin, eine intelligente Jüdin?“ – und immer wieder, warum.

Aber auch die Unterschiedlichkeit in der Anerkennung wird erläutert. Ist man jüdisch, wenn Generationen dazwischen liegen? Generationen ohne jüdisches Leben? Na, kommt bekannt vor, was? Im Gegensatz zur allgemeinen Annahme, wird man im orthodoxen Judentum ohne angenommen, kann man die Linie nachweisen. Im liberalen nicht – so, wie es auch mir ging. Ich bin den Weg gegangen, wollte nach Hause kommen – mit allem drum und dran. Mit Papieren und Co. Wollte den Hechscher haben. Und bin angekommen – mit allen Zweifeln, drinnen und draußen.

Ruth nach ihrem Mikwebesuch – Foto: Mindjazz Pictures

Rebbetzin Ehrenberg weißt Ruth in die Geheimnisse der Mikwe ein. Es ist eben mehr, als das Wasser, mit dem Geschirr gekaschert wird. Es ist mehr, als das rituelle Bad nach der Nidda. Die Mikwe tut etwas mit uns. Und auch an Ruth geht sie nicht vorüber. Das Bild oben zeigt sie nach dem Mikwe Besuch. Nachdenklich. Voller Gefühle, mit denen sie wohl nicht gerechnet hat.

Ein wunderbarer Film. Danke, dass ich ihn sehen durfte. Ich hoffe, er erreicht noch mehr Menschen. Und Ruth, falls Sie das hier irgendwann lesen – Sie sind eben auch irgendwie jüdisch. Mit oder ohne Hechscher.

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