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Narzisst und HSP

Wenn Leute mich im realen Leben kennenlernen, können sie mich meist nicht einordnen. Die meisten stempeln mich, wie ich inzwischen weiß als kalt und arrogant ab, da ich nicht sonderlich offenherzig erscheine, zunächst sehr ruhig bin und nur beobachte, um die Menschen, die da mein Leben streifen einordnen zu können. Ich habe kein Problem mehr mit dieser Einordnung der anderen, wenigstens weiß ich es inzwischen und kann damit umgehen. Vor Jahren noch hat es mich verletzt, da ich so nun wirklich nicht bin. Wenn man mich dann näher kennenlernt, sehr nah auch, höre ich oft, dass ich zuviel denke oder aber zu lieb bin. Immer steht ein zu davor. Einen Mittelweg scheint es nicht zu geben. Und das, das ist dann auch für mich noch verletzend. Was ist den zu… warum darf ich nicht einfach sein, wie ich bin? Warum wird von mir einfach etwas vorausgesetzt und dann enttäusche ich offensichtlich diese Erwartung? Ich weiß es nicht. Irgendwie ist es einfach so. Fakt ist, ja ich denke. Allerdings nenne ich es auch reflektieren. Ich versuche die Dinge zu verstehen, um mit ihnen umgehen zu können. Ich muss sie nicht gut finden, Analyse von menschlichem Verhalten aber hilft mir ungemein in dieser für mich oft verwirrenden Welt zurecht zu kommen. Seit meiner Kindheit verfahre ich so und denke, dass ich inzwischen ganz gut in diesem Sport geworden bin. Inzwischen gibt es für Leute wie mich (ja, es gibt auch andere) wissenschaftliche Begriffe. Wir werden eingeordnet und Hilfen für „Betroffene“ werden bereitgestellt. Verhaltensrichtlinien etc. Es gibt genügend, die nicht so sein wollen, wie sie sind. Sie zerbrechen daran, verfallen in Depressionen, aus denen sie sich nicht mehr befreien können. Und wer mir folgt, weiß auch, dass ich nicht immer davon befreit bin.

Was uns aber auch irgendwie gemein zu sein scheint, ist eine gewisse Anziehungskraft auf Menschen mit einer tatsächlichen psychischen Störung: narzisstische Persönlichkeitsstörung. Ich habe viel in letzter Zeit darüber nachgedacht. Eine Freundin nannte es ein Muster bei mir, doch das ist es nicht. Ich denke einfach, dass sich Menschen mit dieser Störung bei unsereins wohl fühlen. Zwei Beziehungen zu solchen Menschen liegen hinter mir, intensive Beziehungen. Die eine hat mich fast meine Existenz gekostet, die zweite wurde schnell analysiert und ging deshalb ganz gut. Nur war es von da an eine gesteuerte Beziehung, frei von jeder Freiheit und damit nicht mehr lebenswert, ich floh. Das Paradoxe an diesen Beziehungen ist tatsächlich, dass die Narzissten sich hingezogen fühlen aber tatsächlich nicht das finden können, was sie brauchen: stetige Bewunderung, keine Kritik, kein Ansprechen ihrer nicht vorhandenen Selbstvertrauens und die vielen anderen Dinge. Wenn ich einen Menschen einfach nur so nehme, wie er ist und ihn so mag, so befriedigt es einen Narzissten nicht, nichts kann ihn befriedigen.

Ich habe mir versprochen, nicht mehr intensiv mit solchen Menschen umzugehen. Wollen wir hoffen, dass es klappt. Denn selbst, wenn ich mich dieses Mal selbst gerettet habe, so hat es doch Energie gekostet, Leben – es ist es nicht wert. Was mich beschäftigt ist tatsächlich, ob es nicht immer mehr werden, diese Narzissten. Sie werden es….allerdings nicht in Form von wirklichen Persönlichkeitsstörungen. Sondern einfach nur in Form der ganz normalen Egozentrik, die sich gerade in der Stadt zu häufen scheint. Das ist bei diesen Menschen dann wohl einfach ein Problem der fehlenden Reflektion.

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