Zum Inhalt springen

Kurze Gedanken

… über Neuberliner. Täglich staune ich, über die Oberflächlichkeiten, die Uniformitäten, die sich seit Jahren mehr und mehr in diesem Berlin breit machen. Berlin, das doch nie Standard war und es jetzt mehr und mehr wird. Ich verstehe diese Vorgange nicht, verstehe nicht, warum sich die Menschen dessen nicht bewusst sind, warum sie noch immer durch die ewige Uniformität, durch Materialismus ewig gleicher Art hoffen, ein Glück zu finden, das sie so doch nie finden können. Es gab eine zeit, als Menschen, die nach Berlin kamen ehrlich sagten, dass es ihnen hier nicht gefiel. Zu laut, zu dreckig, zu unfreundlich. Wunderbar, man blieb unter sich und nur die, die sich tatsächlich in diese derbe Schönheit verliebten blieben.
Heute ist es anders. man darf nicht sagen, dass es einem hier nicht gefällt. Viel schlimmer noch, man ändert die Stadt eben so, dass sie einem gefällt. Macht sie zu seiner dörflichen Heimat und kann noch immer behaupten, man lebe in Berlin – doch tut man es nicht mehr.
Tiefe findet man bei diesen Menschen nicht mehr. Sie finden sie auch selbst nicht. Sie finden Anleitungen in hippen Magazinen oder beim hipperen Nachbarn, den sie noch übertrumpfen müssen. Und eigentlich kommt es alles auf einen Punkt zurück. Man kommt vom Land in die große Stadt, sie macht Angst und sie ist doch so gar nicht, wie man es dachte. Wollte man überhaupt hier hin? Man muss – heutzutage, will man dazugehören. Man ist unsicher und so ganz ohne Selbstvertrauen in diesem Moloch. Wer die finanziellen Mittel hat, zieht sich in selbstgewählte Ghettos zurück, wo man unter sich bleibt. Und mit Unsicherheit geht man am besten um, indem man sich mit Sicherheit umgibt. Sicherheit in Form der angesagten Kleidung, technischen Goodies und nicht zu vergessen, die richtige Jutetasche.

Seltsam ist nur, dass sie vor echten Berlinern mit einer Mischung von Furcht, Erfurcht und Angst reagieren. Wir beißen nicht. Aber wir wollen auch nicht gebissen werden.

3 Kommentare

  1. Daniel Daniel

    Schöner Text. Mir gefällt Berlin überhaupt nicht, deshalb bin ich nach drei Jahren studienbedingtem Pendeln zwischen Berlin und Frankfurt/Oder glücklich nach Frankfurt am Main zurückgekehrt. Wenn der Anspruch an eine Stadt nicht dreckig, laut und hässlich zu sein provinziell ist, bin ich das wohl:). Wahrschinlich könnte ich Berlin sogar etwas abgewinnen wenn die von dir angesprochene Hipster-Soldateska nicht Überhand nehmen würde, aber so habe ich ernstgemeintes Mitgefühl. Man kann wohl nur weiterziehen, von Neukölln ins Wedding, vom Wedding…?

  2. Danke Daniel. Es ist schön zu sehen, dass es noch Menschen, wie Dich gibt! Allerdings wird es bei mir wohl irgendwann wieder ein Weiterziehen ganz weg sein – soweit halte ich die Stellung und verteidige die Berliner Schnauze, die wohl nur eine Erfindung der Zugezogenen ist.

  3. Am Anfang mochte ich Berlin auch gar nicht, aber nach einer ganzen Weile habe ich mich hier sehr gut eingelebt und möchte gar nicht mehr woanders hin. Aber das hat wirklich lange gedauert. Berlin ist keine einfache Stadt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

vier × 4 =