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Energieverlust

Immer öfter erlebe ich in letzter Zeit Momente, in denen ich nicht mehr ich selbst bin. Inzwischen haben schon meine Freunde angemerkt, dass etwas nicht stimmt. Sie kennen mich am besten, sind durch meine Tiefs mit mir gegangen und mit ihnen habe ich mich wieder hochgerappelt. Eigentlich sollte es mir gut gehen. Ich bin zufrieden, so, wie ich mein Leben hingerückelt habe. Die Jobs sind momentan einigermaßen stabil und ermöglichen es mir, meine Rechnungen zu bezahlen. Viel mehr brauche ich nicht. Ich brauche einfach nicht viel, um glücklich sein zu können. Viel Zeit für mich allein habe ich nicht – aber irgendwie habe ich mich inzwischen daran gewöhnt. Diese Zeit allerdings brauche ich 100%. Ich muss dann raus, auf mein Rad, weg von Menschen, raus ins Grüne, über Felder, durch Wälder. Keine Menschen mehr…zumindest keine lauten Menschen mehr.
Diese Stadt wird mit jedem Jahr weniger meine Stadt und ich frage mich, allmählich, wann ich doch wieder meine Sachen packe, um zu verschwinden. Menschen sind hier inzwischen, die alles sind, als entspannt, denen Äußerlichkeiten, Oberflächlichkeiten das Wichtigste sind. Ihr Leben dreht sich um das neueste elektronische Gadget, um die schrägste bunte hautenge Jeans…aber vor allem dreht es sich nur um eines: um sie selbst. Me First! Ich kann mit solchen Menschen nicht umgehen, es ist mir zuwider. Aber irgendwie kann ich noch Abstand gewinnen und auf öffentlichen Grund, bin ich berliner Göre genug, um die Hipster in ihre Schranken zu weisen. Warum man allerdings in der Stadtentwicklung die selben Fehler machen muss, wie in anderen Städten, verstehe ich nicht. Berlin verspiel seine Pfründe und Berlin ist mehr und mehr nicht mehr Berlin.
Dies alles befremdet mich allerdings nur, macht mich traurig und lässt mich überlegen, eben doch wieder nach Miami zu gehen. Oberflächlich ist es dort auch, aber wenigstens ist das Wetter besser und die Leute zumindest oberflächlich freundlich. Vor fünf Jahren hätte ich nie gedacht, dass ich darüber nachdenken würde.

Was mir aber wirklich meine Energie raubt, sind nicht die Menschen, denne ich aus dem Weg gehen kann, sondern solche, denen ich nicht ausweichen kann und wo ich keine Unterstützung empfinde. Kurzsituation: Büro mit einer Trennwand aus Glas. Alles, nur nicht schallgeschützt und nebenan ein cholerischer Kollege, der nicht mal mitbekommt, dass ich alles mitbekomme. Seine Wutausbrüche, seine permanente Musikbeschallung, seine Privattelefonate und vor allem seine Lästereien. Ich kann sowas nicht abtun, ich möchte nicht Mitwisser sein und ich hasse es, wenn man nicht zu seinen Fehlern steht oder nicht einfach mal sagen kann, dass man etwas nicht weiß, sondern es auf andere schiebt. Das alles sammelt sich seit Monaten an. Ich habe jetzt innerhalb eines halben Jahres das Gespräch zu meinen Vorgesetzten gesucht. Die Lösung wäre einfach, es gibt ein weiteres Büro, der Kollege muss umziehen, dort ist er auch besser schallisoliert. Ich kann einfach nicht mehr. Meine Energie ist weg, meine Kreativität und vor allem meine Lust, zur Arbeit zu gehen. Ich schlafe nicht mehr an Tagen, bevor ich mit ihm arbeiten muss, ich bin ausgelaugt. Verkrieche mich immer mehr in mich selbst, weil ich keinen Rückhalt spüre. Ich suche nach anderen Jobs, um dem zu entgehen, was mich dort so sehr belastet. Ich mag meinen Job, er gibt mir so viel…aber ich kann nicht damit umgehen, wenn es überflüssige unnütze Konflikte gibt, nur, weil ein Mensch denkt, das müsse so sein. Warum sind Menschen so? Was ist daran so falsch, kollegial und vor allem loyal zu sein? Und selbst, wenn man so ist, wie man ist, dann zieht doch bitte andere nicht mit hinein! Ich bin loyal und spreche Probleme an. Ich bin zu oft selbst Mobbingopfer gewesen, als dass ich Lästereien und Intrigen einfach so abtun könnte. Mich belastet es und ich sage es auch den Zielen. Ich finde es nicht normal, dass man in einem Umfeld, in dem eigentlich alles gut sein könnte, künstlich Konflikte provoziert werden müssen. Wo nicht Rücksicht auf Kollegen genommen wird, sondern sich benommen wird, als wäre man zuhause.

Es sind diese Momente, in denen mir wieder bewusst wird, dass ich an meine Grenzen stoße, dass ich aufpassen muss, nicht wieder abzurutschen. Das Leben ist so viel schöner ohne diesen Müll. Und wenn ich solche Menschen sehe, wundert es mich auch nicht, dass es Konflikte und Kriege auf der Welt gibt. Manche Menschen können offensichtlich keinen Frieden haben.

Ich bin froh, dass ich so gute Freunde habe, Freunde bei denen ich mich fallen lassen kann, die einfach nur gute Menschen sind und nicht: Me First!

1 kommentar

  1. Anonym Anonym

    Liebe Juna,

    So schwer es ist, nicht in solche Strudel hineingezogen zu werden, so wichtig ist es eines nicht zu vergessen: Sei gluecklich, dass du nicht so bist. Bleib so wie du bist!

    Ich schaue immer wieder hier herein, nachdem ich vor Jahren "irgendwie" auf deinen Blog gestossen bin. Deine Alltagsbeobachtungen waren immer wieder wie Balsam, dafuer moechte ich mich bedanken.

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