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Vergessene Kinder

Ich habe eine Kollegin, die „nur“ patrilinear Jüdin ist. Allerdings prägte das ihre gesamte Kindheit, ihr Leben, sie ist als Jüdin aufgewachsen. Was für Außenstehende vielleicht ganz normal erscheint, warum auch nicht, prägt sie allerdings bis heute. Sie steckt zwischen den Stühlen. Halachisch nicht anerkannt ist sie für die Jüdischen Gemeinden keine Jüdin und findet dort keine Aufnahme – auch, wenn ihre Kinder jüdisch erzogen werden und die jüdische Infrastruktur nutzen. Je älter sie wird, um so mehr scheint es sie zu treffen, dass sie nirgendwo richtig hingehört. Und sie möchte dazugehören. Sie ist nicht die Einzige, die ich kenne.
Verschiedene Ansätze gab es schon dazu. Die Gemeinden klagen über Mitgliederschwund, aber gleichzeitig werden diese Nachkommen nicht aufgenommen, ihnen nicht ein Weg bereitet, der sie auch rechtlich dazuzugehören ermöglicht.
Mir selbst ist es völlig egal, der „jüdische Funke“ fragt nicht danach, ob unsere Mutter oder unser Vater Jude ist. Er ist da – manchmal ganz plötzlich, wie bei Noa oder auch bei mir, die ihre Jugend lang wusste, dass etwas anders ist, etwas nicht stimmt und die erst Ruhe fand, als endlich alles schriftlich festgehalten war. Sich irgendwie der Knoten löste, wie bei einer guten Massage.
Ich verstehe diese Kollegin so sehr und weiß, welch großes Glück ich hatte auf die Menschen zu treffen, auf die ich damals treffen durfte.

Doch langsam werden diese Kinder etwas lauter. Es gibt den Verein doppel:halb und in diesem Jahr sogar eine Konferenz zum Thema. Diese möchte ich nicht vorenthalten:

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