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Sich fremd fühlen

Es gibt Momente, da wird einem um die Ohren gehauen, dass man anders ist…es fühlt sich zumindest so an. Ich denke, jeder, der keine Wurzeln mit christlich-deutschem Hintergrund hat, kennt diese Momente.

Es erscheint mir ein deutsches Phänomen zu sein, sich in bestimmten Kreisen über seine Ahnen im 3. Reich zu unterhalten. War es offensichtlich früher so, dass alle unschuldig waren, so wird sich heute versichert, dass man ja so anders ist, weil man reflektiert mit dem Großvater in der SS umgeht. Daran ist auch nichts auszusetzen – im Gegenteil. Nur bitte, bitte nicht beim Mittagstisch oder sonst wo kontextlos. Ich ertrage das nicht mehr. Wird darüber in entsprechendem Umfeld reflektiert, hinterfragt und bewertet, gut. Nur, diese merkwürdige deutsche Angewohnheit sich so gegenseitig zu versichern, dass man doch so viel gelernt hat und so gut ist. Seltsamerweise ist es mir nirgends sonst auf der Welt begegnet. Vielleicht gibt es noch eine innerjüdische Parallele in den USA. Hier wird gleich Tacheles geredet: „In welchen Lagern war Deine Familie? Wie, nicht Auschwitz, naja, dann war es ja nicht so wild!“ – ist mir wirklich passiert, mehrfach. Auch in den Niederlanden fand ich diese Art von Kommunikation.
Seltsam ist es dann für jemanden, der nicht weiß, wo die Großonkel getötet wurden. Sie sind verschwunden, irgendwann irgendwohin. Es gibt keine Spuren. In meinem deutsch-jüdischen Freundeskreis ist das glücklicherweise nie ein Thema. Wir leben schließlich heute und ja, wir LEBEN! Das ist alles, was zählt.

Zu den Tischgesprächen über nazi-verwickelte Großeltern, ich gehe meist raus, ohne, dass es auffällt. Man kümmert sich schlicht nicht darum, bemerkt nicht, dass vielleicht das Thema unpassend ist. Niemand fragt „Und, bei Dir?“. „Ja, klar, also von meiner Familie haben zwei überlebt. Interessant, Dein Großvater war im Lager Buchenwald – hmm, das ist die letzte Spur meines Urgroßvaters. Vielleicht hat er ihn ja abgeknallt?“…ich stelle mir die Reaktionen vor. Nein, aber soweit lasse ich es nicht kommen. Ich gehe lieber und wundere mich irgendwie.

21 Comments

  1. to me roots became important when i was young because that was the atmosphere in the 1960's. My Dad was a captain in the USAF. x wife's mother was born and raised in Berlin. She was on the kindetransport to england. in england she was sexually abused by the family that took her in and this left deep scars on her and on her older daughter who became my wife and also had deep sexual issues because of this.
    But i also have had this strange experience with Jewish people in Israel that think if your parents were not in the camps then you are not Jewish. and sefadim just think point blank that no Ashkenazi Jew is Jewish. in unguarded moments they will say so openly the Uncle of my wife fought against the Nazis in the red army

  2. Vielleicht ist das auch generationsbedingt.
    Mir fallen zumindest spontan Menschen ein, die das Thema "KZ" bei jedem Kiddusch wiederbeleben, Woche für Woche, Jahr für Jahr. Das sind Menschen, die als Kinder direkt nach dem Krieg geboren wurden, die Erlebnisse ihrer Eltern wie ein Schwamm aufgesaugt haben und furchtbar darunter leiden, sich aber dennoch irgendwie nicht davon lösen können, vielleicht auch nicht wirklich wollen und so ziemlich alles, was es an Literatur zum Thema gibt, im Bücherregal haben.
    Ich denke mir dann auch oft, dass ich das nicht schon wieder hören kann und will, weil es ein Judentum schafft, das nicht wirklich lebt und sich entwickelt, sondern irgendwo verharrt und meine Altersgenossen eher abschreckt von Synagoge und Gemeinde – weil man so einfach irgendwo nicht leben kann. Mal schauen, vielleicht schreib' ich irgendwann auch was zu dem Thema…

  3. Ja, Adam, that's true, it must be quite the same for Sefardim. My Ex mother in law to be always regretted that none of her family was in a camp. She was a third generation US-citizen.

  4. Hmm, Chanukkakind, das kenne ich auch. In diese Synagoge gehe ich nicht mehr. In diesen Momenten da war ich schon froh, dass meine Familie nie über die Zeit sprach, so bin ich unbelastet aufgewachsen. Es hat auch Vorteile.
    Meine jüdischen Kreise sind bewusst abseits davon, wir können ja nicht weiter unter der Last der Vorgenerationen ersticken.
    Ich bin ehrlich, für mich ist das weiter weg als meine Zeit in der DDR. Damit habe ich mehr zu schaffen.

  5. NOA NOA

    Ich finde zurzeit die Menschen um mich herum auch seltsam u vor allem den bloedsinn den sie so von sich geben . Schwer zu ertragen . Ziehe mich dann lieber zurück
    Umaermel
    Noa

  6. Hmm, lass Dich nicht unterkriegen. Zähle die Tage, liebe Noa! Nicht mehr lang. Ganz fest umärmel, Juna

  7. Reisi Reisi

    "Meine jüdischen Kreise sind bewusst abseits davon, wir können ja nicht weiter unter der Last der Vorgenerationen ersticken. "

    Mir stellt sich da die Frage, Juna, ob diese (anderen, die nicht unter der 'Last der Vorgenerationen ersticken') "jüdischen Kreise" in Deutschland denn so der Maßstab sein können… denn bei jenen, die so "anders" sind, ist dies nicht unbedingt aufgrund einer bewussten, eigenen Entscheidung. Denn oft ist in jenen Kreisen der Anteil derer, die via Konversion ins Judentum gekommen sind, erheblich erhöht (damit sind nicht jene gemeint, die aufgrund jüdischer Wurzeln konvertiert sind, sondern jene ohne jeglichen familiären Bezug zum Judentum)?
    Und dann dürfte es nicht wundern, daß über gewisse Themen dort lieber nicht gesprochen wird…

  8. Liebe Reisi,

    nein, meine Erfahrung ist, dass unter den Konvertiten (Noa, Du nicht!), eher darüber gesprochen wird.
    Ich denke, das was Chanukkakind sagt ist das Zutreffenste, es ist eine Generationenfrage. Gerade gestern, bei Rüberzappen über die Jauch-Sendung ist mir das mit Marina Weisband wieder aufgefallen. Sie hat mir (zumindest in den Teilen, die ich gesehen habe) aus dem Herzen gesprochen.
    Das Thema ist ein Teil von uns, natürlich, aber es bestimmt nicht unser Leben, es sollte es zumindest nicht.

  9. Ich habe nicht die Erfahrung gemacht, dass Gerim besonders darüber reden. Nee, das kann ich nicht bestätigen. Bei denen steht das heutige jüdische Leben im Vordergrund. Aber auch, dass darüber lieber geschwiegen wird, kann ich auch nicht bestätigen. Hm.

  10. Ich denke auch hier ist es vielleicht die Frage, was die Motivation war, überzutreten. Leider gibt es noch zuviele, die es aus – sagen wir therapeutischen Gründen – machen. Dass sie allerdings auch beim Beth Din durchkommen, bzw. überhaupt dahin kommen ist glaube ich das Problem. Und auch hier ist es meine Erfahrung, dass es eher ältere Gerim (55+) sind – nicht die jüngeren. Da folge ich Deinen Erfahrungen, Yael.

  11. Das Beth Din kann leider nur die äußeren Faktoren berücksichtigen und wenn man denen etwas vorspielt, hat das Beth Din schlechte Karten (wie die das vorspielen hinbekommen, kann ich auch nicht nachvollziehen). Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass die dann im Inneren glücklich mit ihrem Judesein werden, weil sie doch merken müssen, dass man immer der bleibt der man im Grunde ist. Es ändert ja nicht die Vergangenheit.
    Schade finde ich, dass "ehrliche" Gerim immer wieder mit denen in eine Schublade gesteckt werden. Ich meine jetzt nicht hier, habe aber leider gerade im Internet diese Erfahrung machen müssen. Aber Gott sei Dank nicht im realen Leben.

  12. Ich stimme Dir ganz und gar zu. Und auf der anderen Seite wäre es ja auch irgendwie langweilig, wenn alle perfekt wären 😉
    Halt Dich vom Internet fern, da findet man ganz merkwürdige Dinge ;-D

  13. Von solchen Menschen halte ich mich fern. Das war allerdings erst ein Lernprozess.
    Kol tuv.

  14. Anonym Anonym

    Sind die Deutschen wirklich so? Dass sie ständig über die Nazivergangenheit ihrer Großväter reden? Das war mir nicht bewusst. Mir als Deutsche kommt es eher immer so vor, als käme das von außen … als sei das Thema unter Deutschen selber (zumindest in meiner Generation) längst abgeschlossen, weil wir es sowieso nur noch aus dem Geschichtsunterricht kennen ( … Moment mal … stimmt ja gar nicht … aus dem Deutsch-, Religions-, Politik- und Französischunterricht ja auch noch …), aber persönlich keinen Bezug dazu haben. Mir kommt es eher immer so vor, als würde man in diese Rolle gezwängt, weil man sich deutsch nennen muss, weil man eben zufällig dort geboren ist, wo man geboren ist. Als müsse man nach außen hin Reue zeigen, weil man ja sonst ein Nazi ist. Und so wird man ja eigentlich auch erzogen.

    Aber anscheinend täuscht mich da meine Wahrnehmung. Zugegebenermaßen kenne ich keinen Juden persönlich. Und schon gar keinen deutschen Juden. Meine Großeltern oder gar Urgroßeltern kenne ich auch nicht. Also kann ich eigentlich nur aus eigener Erfahrung reden.

    Ich hoffe, dass das jetzt nicht irgendwie nach Selbstmitleid klingt. Das soll es nämlich nicht. Ich will nur sagen, dass es mich sehr erstaunt oder vielleicht sogar ein bisschen erschreckt hat, das zu lesen … weil ich es eben so ganz anders empfinde. So als existiere das damalige Deutschland für die heutigen Deutschen größtenteils nur noch in Büchern und Filmen. Und in der Politik natürlich. Aber nicht mehr in ihrem Alltag.

  15. Nein, das klingt ganz und gar nicht nach Selbstmitleid, das ist doch Ihre Wahrnehmung. Wie ich schon eingangs sagte, beobachte ich das in bestimmten akademischen Kreisen. Irgendwie arbeiten sie auch in Feldern, die das Thema berühren und können wohl keine Grenzen ziehen, zwischen Arbeit und Privatem.

    Ich fand auch, dass wir den NS zu viel durchgenommen hatten in der Schule…das war auf der anderen Seite der Mauer und wenn ich heute die Diskussionen verfolge, wann man denn den armen Kindern das Thema antun darf, schüttle ich nur noch den Kopf. Denn heute sieht es in der Bildungslandschaft ganz anders aus. Erst heute beklagt sich der Leiter der Gedenkstätte Sachsenhausen, dass kaum noch Schüler kommen und in meiner Arbeit merke ich, dass überhaupt kein Wissen vorhanden ist. Man hat es irgendwie mal gehört…aber nicht in der Schule. Mathe und Physik sind wichtiger geworden, als das Wissen um die eigene Vergangenheit.
    Das ist eben ein hausgemachtes Problem. In der Bildung gibt es offensichtlich nur Extreme in diesem Punkt und das Pendel schwingt hin und her, momentan ist es auf der Seite des Zuwenig, vor zwanzig Jahren vielleicht war es noch zuviel.
    Und falls Sie doch mal auf einen Juden treffen, erzählen Sie nicht gleich ob sie in Israel waren und wie es da war oder eben, was die Ahnen unter Hitler machten. Seien Sie einfach Sie selbst wie im Kommentar.
    Herzlich,
    Juna

  16. Anonym Anonym

    Auf der anderen Seite der Mauer … dafür bin ich noch zu jung 🙂 Ich bin gerade mal 21 und habe vor knapp 2 Jahren mein Abi gemacht. Und wie gesagt haben wir das Thema Drittes Reich immer mal wieder in verschiedenen Jahrgangsstufen in verschiedenen Fächern mit jeweils unterschiedlich gesetzten Schwerpunkten durchgenommen. Da wundert es mich zu hören, dass die Schüler heutzutage nichts mehr darüber wissen sollen. Zumal ja die Lehrpläne für die Schulen eigentlich bindend sind, dachte ich.

    Aber Nazideutschland in der Schule hin oder her, ich finde eigentlich, dass man das Thema mal von einer anderen Seite angehen sollte. Man wird zwar immer wieder damit konfrontiert, auf welch schreckliche Weisen Menschen damals ermordet wurden, aber damit, was für Menschen das wirklich waren, beschäftigt man sich eigentlich nicht. Skepsis, Argwohn, Vorurteile oder letztendlich sogar Hass auf bestimmte Gruppen von Menschen, die in irgendeiner Weise anders sind als man selbst, entsteht doch eigentlich in erster Linie durch Unwissenheit. Ich kann beispielsweise nicht sagen, dass ich das Wort "Jude" mit besonders viel Inhalt füllen konnte, bevor ich mich aus eigenem Interesse näher damit befasst habe. Nachdem ich diesen Beitrag gelesen und meinen Kommentar dazu abgegeben hatte, habe ich mir auch mal die Jauch-Sendung angeguckt. An einer Stelle sagt Marina Weisband, dass in diesen jüdisch-christlichen Begegnungen, die sie mitorganisiert, das Thema eigentlich immer wieder der Holocaust ist und dass es kaum möglich ist, Jude zu sein, ohne damit assoziiert zu werden. Das kann ich von meiner Seite aus nur bestätigen. Juden. Das waren immer die, die man in KZs ermordet hat. So ein großes, unheilvolles aber gleichzeitig völlig inhaltsloses Wort. Dass das Christentum aus dem Judentum entstanden ist, wurde im Reliunterricht auch mal erwähnt. Aber die ganze Kultur, die dahinter steckt, das Brauchtum und das Judentum als Volk, das ist ja viel mehr. Und das ist den meisten völlig fremd. Alle reden immer darüber, dass so etwas auf keinen Fall wieder passieren darf. Dazu gehört aber meiner Meinung nach nicht nur, dass man immer wieder vor Augen geführt bekommt, wie schrecklich und böse das alles war, sondern auch sowas wie ein gegenseitiges Kennenlernen und Verständnis füreinander. Denn nur daraus kann doch Toleranz entstehen. Dann wäre der Begriff "Juden" auch nicht mehr so schwer in den Mund zu nehmen und er wäre nicht mehr nur ein Platzhalter für die, die irgendwie anders sind und die deswegen in Deutschland grausam ermordet wurden.

  17. Dann ist das wohl eine große Ausnahme an Ihrer Schule gewesen. Ich habe oft den Eindruck es ist bei den Lehrern mit der Vermittlung wie mit Sexualkunde, sie wollen nicht aber sie müssen (bzw. mussten). Vorgeschrieben ist das Thema tatsächlich nur noch im Sek1 Jahrgang 9/10 ein Halbjahr (meine Erfahrung meist zweites Hj 10, also während der Prüfungen): "Kennzeichen von und Alltag in Diktaturen:
    Nationalsozialismus, Opfergruppen, Holocaust;
    Stalinismus, „Säuberungswellen“, Gulag
    (Kennzeichen von und Alltag in Diktaturen:
    italienischer oder spanischer Faschismus)
    (Zweiter Weltkrieg)" – kann ziemlich weit ausgelegt werden und wird es auch. In Sek2 ist es im 3. Semester vorgesehen: "Demokratie und Diktatur in der Zwischenkriegszeit in Europa, Inhalte
    • Europäische Staaten im Vergleich (thematischer Querschnitt), Das Scheitern der ersten deutschen Demokratie – nationalsozialistische Ge-
    waltherrschaft
    Inhalte:
    Der Weg in die Demokratie: Kriegsende und Revolution 1918/19
    Politische und wirtschaftliche Strukturen und ihre Krisen
    Außenpolitik im europäischen und internationalen Spannungsfeld
    Herrschaft und Ideologie im NS-Staat
    Widerstand und ziviler Ungehorsam
    Holocaust
    2. Weltkrieg"
    Aus Gesprächen mit Lehrern weiß ich, dass sie bis zu Herrschaft und Ideologie gar nicht mehr kommen.
    Ich selbst hatte im LK Geschichte (und wir hatten noch drei Jahre Sek2) zum Thema den Stalingradfeldzug. Ich konnte sämtliche Truppenbewegungen herunterbeten. Absgehen davon hatte ich 1 Semester Antike, 1 Semester Mittelalter und 1 1/2 Semester US-amerikanische Geschichte und koloniale Welt. 😉
    Es kommt also immer auf die Lehrer an.

  18. Anonymus, ich verstehe, was du meinst und das recht gut, da meine Schulzeit auch noch nicht sooo weit zurückliegt, aber ich provoziere jetzt mal ein wenig. Könnte es nicht sein, dass die Mehrheitsgesellschaft immer genau das hören will? Die Debatten, die Lehrpläne, den Diskurs legen nicht Juden fest, sondern die Gesellschaft. Da wäre die Frage, warum die Gesellschaft sich immer wieder auf eine Reduzierung als "Opfergemeinschaft" beschränkt. Das Interesse and Juden und Judentum tritt entweder in Bezug auf die Shoah in Erscheinung, oder als Christl. motiviertes "Wurzel-Phänomen" oder als religiös exotische Erscheinung. Dass es aber viel mehr ist, dass da ganz "normale" Menschen dahinterstehen, die vielleicht gerade im Hinblick auf ethisch gesellschaftspolitische Themen interessante Meinungen einbringen könnten, weil ein so reicher kultureller Fundus dahintersteht – ja, interessiert sich die große Masse wirklich dafür?

  19. Hmm, in dem Zusammenhang fällt mir noch ein, meistangefragte Führung von Lehrern in einem gewissen Museum ist Nationalsozialismus – nicht etwa eines der anderen vielen Themen, die sich einfach nur mit deutsch-jüdischer Kultur auseinandersetzen…warum geht man dahin, wenn man eigentlich was anderes will als da gezeigt wird? Hatte mich schon immer gewundert.

    Was angehende Religionslehrer über Judentum lernen ist auch zum gruseln…uaaah. Als ob in der Zwischenzeit seit Jesus nicht ein paar Sachen passiert seien 😉

  20. Anonym Anonym

    Chanukkakind, man macht es sich eben gern einfach … aber ich glaube nicht, dass das speziell die Juden in Deutschland betrifft. Wer zum Beispiel interessiert sich schon für Muslime, wenn es nicht gerade um irgendwelche Kopftuch-, Burka- oder Minarettdebatten geht oder nicht gerade irgendwo ein islamistischer Anschlag stattgefunden hat? Wer will schon wissen, wer diese Menschen wirklich sind? Oder nehmen wir sogenannte Behinderte. Die sind blöd im Kopf, haben kein eigenes Leben, können nichts und sind deshalb zu bemitleiden. Ich behaupte jetzt mal, das ist das, was die Meisten sich unter so jemandem vorstellen. So geht es doch ganz allgemein vielen Gruppen, die nicht der gesellschaftlichen Norm entsprechen. Sie werden eben auf Äußerlichkeiten oder einfach zu erfassende Merkmale reduziert. Im Grunde steckt doch hinter fast jedem ein "ganz normaler Mensch", wie du es so schön sagst.

    Schmunzeln musste ich über deine Formulierung "nicht die Juden, sondern die Gesellschaft" Sind Juden denn nicht auch die Gesellschaft? Wollte ich provozieren, würde ich sagen, du willst dich absichtlich abgrenzen 😉

  21. Anonym, damit wären wir beim Feindbild. Mir ist bisher keine Gesellschaft begegnet, die ohne Feindbilder ausgekommen wäre – so weit ist der Mensch vermutlich noch nicht.
    Vielleicht hat es auch etwas mit Verantwortung und Verantwortlichkeit zu tun – in dem Moment, in dem ich mich intensiver auseinandersetze, bin ich mitverantwortlich; vermeide ich eine solche Auseinandersetzung, muss ich keine Verantwortung übernehmen, da ich nicht vertraut geworden bin, mit dem was mir fremd erscheint. Vielleicht greift in Bezug auf Juden diese Verantwortlichkeit aus dem historischen Kontext heraus, ergibt sich aber eben aus der jüngsten Geschichte und bezieht sich auch primär auf diese oder ist eben in irgendeiner Form christl. motiviert.
    Mit "Geselschaft" meinte ich "Mehrheitsgesellschaft"; natürlich sind auch wir Teil dieser Gesellschaft, aber eben prozentual nicht unbedingt signifikant, somit kann man schon von der (Mehrheits-)Gesellschaft unterscheiden.
    Ja, ich will mich auch abgrenzen – aber nicht so, wie du evtl. vermuten würdest, würdest du provozieren wollen. 😉 Ich denke, jeder/jede muss sich irgendwo abgrenzen, denn ich persönlich möchte weder als Mensch noch als Jüdin, oder als Deutsche in einem "Einheitsbrei" versinken. Deshalb sprach ich auch nirgends von "die" Juden, so wie du das gerade tust, denn ich glaube, dass jeder Einzelne von uns besonders ist auf seine Art.

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