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Rechtsextremismus in der DDR

Ein Interview mit Roland Jahn, das ich heute hier las, machte mich etwas nachdenklich. Und ich möchte gern meine Gedanken bzw. Ergänzungen dazu loswerden. Erinnerungen kochten auf.

Beim Überfall von rechten Skinheads auf Besucher der Zionskirche in Berlin, war ich quasi dabei. Ich erinnere mich noch, wie meine Mutter tief zerstört mir davon erzählte. Sie selbst stand selbst noch unter Schock, dass das überhaupt passieren konnte. Viel traumatischer aber war, was danach kam. Es wurde untersagt, darüber zu reden. Es gäbe keine Nazis in der DDR. Nichts durfte publik werden. Doch auch ohne Facebook und Co. funktionierte die Nachrichtenübertragung. Es konnte nicht mehr geheim gehalten werden. Zu viele Opfer gab es. Die Stasi versuchte es nicht nur als „Tat von Kriminellen“ darzustellen, wie Jahn in dem Interview berichtet, sonder versuchte dann zu propagieren, dass es schon Skinheads gewesen sein mögen, diese aber aus dem Westen kamen. Ich muss damals so zehn Jahre alt gewesen sein, eines glaubte ich danach bestimmt nicht mehr, dass die DDR eine Insel sei, dass Menschen hier sicher wären vor Rassismuss jedweder Art.

Zeitensprung. Die Mauer war gefallen, wir waren frei. Mit der Freiheit kamen neue Systeme auch in der Schule. Ich ging in Pankow Niederschönhausen aufs Gymnasium. Ich habe mich bewusst für diese Schule entschieden, denn die Alternativen hießen Ossietzky Gymnasium (wo sie alle hingingen) und Luxemburg Gymnasium, die vorherige Wilhelm-Pieck-Oberschule, die mir die traumatischsten Schulerlebnisse bescherte. Das ist eine andere Geschichte.
Die neue Schule sollte ein Neustart sein, ohne Altlasten. Zu ihr kamen vorrangig Schüler aus den nördlichen Berliner Vororten. Die Klassen waren viel zu groß und wild zusammengewürfelt. Man übte noch, was ein Gymnasium ist. Was an dieser Schule passierte, erinnerte mich auch an das, wovon Jahn berichtete. Meine Klasse bestand aus 29 Schülern. 26 davon bekannten sich dazu „rechts“ zu sein – drei, inklusive mir waren (wie immer) anders. Ein paar Lehrer versuchten tatsächlich, mit Diskussionen dagegen vorzugehen. Was dabei rauskam war ganz einfach. Die Eltern waren zumeist hochrot, man wollte etwas dagegensetzen. Was vielleicht als pupertäres Verhalten gesehen werden könnte kostete dann aber einem Schüler der Schule buchstäblich sein Gesicht. Er wurde vor der Schule so sehr verprügelt, dass man es kaum wieder herstellenkonnte. Grund des Angriffs? „Er hätte wie eine „Zecke“ ausgesehen“. Ich habe dieses Wort noch immer im Ohr. Das Ende dieser Geschichte – ich habe die Schule, wie auch die beiden anderen verlassen. Was aus den anderen geworden ist, weiß ich nicht.

Zeitensprung heute…ich denke, dass viele jungen Leute, die sich zu den einschlägigen Organisationen hingezogen fühlen, dort suchen, was sie woanders nicht zu bekommen denken. Vermeindlicher Respekt wird durch Angst erreicht, fehlende elterliche Wärme durch die sogenannte Kameradschaft. Erinnert mich doch alles etwas an andere Anfänge.

Zu dem kürzlich festgenommenen ehemaligen Rechtradikalen. Ich glaube wirklich, dass er sein Leben geändert hat, andere Ansichten gewinnen konnte. Das kann man auch, ohne sich den staatlichen Behörden anzudienen. Jeder weiß inzwischen, dass Aussteiger unter stetiger Bedrohung leben. Vielleicht hat er einfach nur gehofft, dass sich still zu verhalten, keine Aufmerksamkeit von rechter Seite auf sich zieht.
Dennoch, er hat seine Strafe verdient, denn er hat Straftaten begangen. Ich hoffe aber, dass man ihm nach Ableistung der Strafe wieder eine Chance gibt und ihn nicht stigmatisiert.

2 Comments

  1. NOA NOA

    lies mal dies hier. hat mich heute morgen sehr schockiert, vor allem, dass sie vor "den Deutschen" Angst haben müssen, die dort dann aufmarschieren, und sich den Hass der Bevölkerung zu eigen macht für ihre schmutzigen Zwecke

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,813001,00.html

  2. Mich schockt es ehrlich gesagt gar nicht. Es ist für mich auch keine Überraschung muss ich sagen. Vielleicht liegt es daran, dass ich beruflich so viel mit dem Thema zu tun habe und diese Nachrichten für mich Tagesgeschäft sind.
    Aber was macht Europa? Sie schauen überall weg, wenn Roma und Sinti oder auch andere Minderheiten diskriminiert werden. In JEDEM europäischen Land. Aber das mag man ja nicht gern zugeben.

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