Zum Inhalt springen

Erinnerungen und Berührungen

Das Joods Museum Amsterdam hat ein eigenes virtuelles Monument errichtet. Momentan helfe ich gerade ein wenig bei Recherchen und Eintragungen dort.
Ich helfe nur ein klein wenig beim Zusammentragen von Daten für eine Schulklasse, in die bei der Aufnahme des Klassenfotos 1939 verhältnismäßig viele deutsch-jüdische Kinder gingen. Manches kann man hier einfach einfacher herausfinden.
Dennoch, was mich wirklich berührt, ist, wie sehr die Familie davon berührt ist, die Bilder und Daten der Klasse, die Erinnerungen an die Kinder zu recherchieren und sie dem Monument zur Verfügung zu stellen. Ich habe inzwischen so viele Schicksale recherchiert, so viele Nachrichten über den Verbleib von Großeltern, Tanten, Cousinen überbringen müssen, dass es mich offensichtlich nicht mehr so sehr berühren kann…vielleicht baut man aber auch einen Schutzwall auf, wenn man selbst „betroffen“ ist? Als ich es noch aktiver betrieb war es für mich jedesmal gut, wieder etwas heraus finden zu können, damit man Gewissheit hat – wenigstens die anderen.
Nun sitze ich am Telefon und bin mit meiner Sprache am Ende. Ich tröste Menschen, denen die Gesichter der Kinder nicht mehr aus dem Kopf gehen, begleite die ehemalige Klassenkameradin dabei, wie die Erinnerungen zurückkehren, wie das Hinterfragen größer wird und die immer wieder kehrende Frage: Warum? 

Ich bin der Überzeugung, dass, solange es noch jemanden gibt, der sich erinnern kann, der sie lebendig hält, solange sind sie noch am Leben. Die Seite, des Joods Museum ist etwas lebendiger als die Namensdatenbank von Yad Vashem. Wir konnten vielen Namen ein Gesicht zurückgeben und werden es auch für Yad Vashem tum. Fröhliche Augen, spielende Kinder, hoffnungsfroh.

Die Familie sucht weiter nach Kindern, zu denen nichts in den Archiven zu finden ist. Ich bin mir sicher, sie sind hartnäckig genug, auch ihr Schicksal herauszufinden. Sie nehmen diese Erfahrung mit in das Heute. Hinterfragen Oberflächlichkeiten der heutigen Welt viel mehr, oder überhaupt das erste Mal. Und Jopi, Susi, Alex, Sonja und Hans sind irgendwie wieder da…in Amsterdam…im Internet und in der Welt. Sie werden nicht vergessen werden.

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

vierzehn − acht =