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Verschwendung

Vor einigen Tagen erschien plötzlich die Erinnerung, dass doch da mal was war, vor zwei Jahren…eine Kommission wurde mal wieder ins Leben gerufen, um den Antisemitismus in Deutschland zu erforschen. Schon damals ärgerte ich mich über die Verschwendung der Gelder…und irgendwie hoffte ich, dass auch die „Kommission“ verschwindet…tat sie auch in meiner Erinnerung. Nun aber ist sie wieder aufgetaucht. Was mich aufregt, und letztlich auch doch zu Worten dazu bewegt ist die geheuchelte Überraschung über die Ergebnisse. Hat denn dieses Land tatsächlich das geglaubt, was es nach außen postuliert hat? Natürlich ist es nicht schön zugeben zu müssen, dass es Antisemitismus gibt…doch spätestens seit Herrn Möllemann sollte doch klar sein, dass es tiefer steckt, als man sich eingestehen will. Und auch seit dem ist es öffentlicher geworden, als all die Jahre zuvor. Wie oft habe ich gehört, dass man ja nichts sagen dürfe…ich frage dann oft, wer es denn sagt, dass man nichts sagen dürfe? Niemand. Man stellt schnell im Gespräch fest, dass einfach viel Unwissen da ist, was auch nur im Gespräch korrigiert werden kann.
Ich denke, das Problem ist hausgemacht. Das selbstauferlegte Mundverbot, das politische Geheuchel… und in der Fraktionssitzung behauptete Gegenteil.
Nun ja…der Bericht wird jetzt auch nichts weiter bewirken. Er ist nichts Neues. Ich wage zu behaupten, dass jeder Jude schon mal entsprechende Erfahrungen machen durfte. Es sei denn natürlich, er bewegt sich nur in jüdischen Kreisen, was es inzwischen auch oft genug gibt.
Ich gehe nicht haushalten mit meiner Religion. Es ist kein Geheimnis, aber ich definiere mich nicht nur dadurch. Doch manchmal bleibt es nicht aus, dass man sich erklären muss. Die Reaktionen sind für mich typisch für dieses Land. Hier sind es betretenes Schweigen, das Ausgraben jüdischer Bekanntschaft und Verwandschaft, die Erinnerungen an eine Israelreise oder einen Synagogenbesuch und manchmal auch der Kontaktabbruch. Außerhalb allerdings auch die Frage, wie man denn in Deutschland leben könne…
Das ist normal und eigentlich denke ich gar nicht drüber nach. Und doch…ist es normal, dass ich überlege, ob ich meinen Magen David trage? Sollte es so sein, dass ich überlege, ob ich die Mesusa nicht doch lieber innen am Türrahmen befestige? Zu welcher Straßenseite ich die Chanukkia stelle? Meistens mache ich es dann „erst recht“…nur sollte das doch anders sein!

Kurzum, ich finde diesen achso überraschenden Bericht so überflüssig, wie einen Kropf. Antisemitismus, Rassismuss, Misstrauen gegen alles, was anders ist, ist normal hier und zum Großteil hausgemacht. Anders kann es ja nur werden, wenn sie die Leute an das „Andere“ gewöhnen, wenn es nicht als exotisch behandelt wird. Und das werden wir ja auch immer gern von der wohlmeinenden Gesellschaft.

So, das musste jetzt mal raus.

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