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Gedankenlosigkeit

Neulich war eine Freundin zu Besuch und erzählte mit leuchtenden Augen, dass bald irgendein neuer Computer rauskäme. Ich bin zwar technisch interessiert – nur interessierte mich diese Neuigkeit so sehr, wie das Erscheinen eines neuen iPhones. Ich brauche es nicht. Ich erwiederte, dass mein Hauptcomputer bereits sieben Jahre alt ist, mein Drucker mindestens zehn und ich nur einen zweiten Computer habe, da sich ein 17″er einfach schlecht transportieren lässt. Die Freundin war etwas irritiert. Das ist nur ein Beispiel für für mich seltsame Kommunikationen. Ich bin ein Reparateur. Sprich, als mein guter alter Computer allmählich doch zu langsam wurde, nahm ich mir die Zeit, das System neu aufzusetzen, seit dem läuft er wie geschmiert. Ich brauche keine aufwendige Grafik, denn ich hinterfrage, was ich tue. Das ist auf dem Computer: hauptsächlich schreiben. Das Design ist für mir relativ irrelevant.
Doch so zieht es sich durch alles, was ich tue und vor allem kaufe. Heute wird den Menschen vermittelt, dass sie Produkte unbedingt brauchen, damit sie glücklich werden. Doch Glück findet sich woanders. Wer ist wirklich glücklich, wenn er mit Taschen voller unnützer Dinge nach Hause kommt? Was sagt es über eine Gesellschaft aus, wenn junge Menschen als Hobbys auf ihren Bewerbungen: „Shoppen“ angeben?
Daher ein Plädoyer für die Wiedernutzung von Produkten, die ständige Hinterfragung, ob man etwas wirklich braucht, oder ob die Werbung nur wirkt? Schauen wir doch in diese Stadt: Biomärkte haben Hochkonjunktur. Es wird nur noch gekauft, was Bio, Fair Trade etc. ist. Im Prinzip gut – aber: die Einkäufe werden mit dem SUV nach Hause gefahren, der Einkaufszettel auf den iPad verfasst, ohne permanent online zu sein kommt kaum noch jemand zurecht, was nicht dem aktuellen Design entspricht, wird entsorgt, so wie die Kleidung der letzten Saison. Hinterfragt, wo diese Dinge landen wird nicht. Aus den Augen aus dem Sinn. Hauptsache man sticht aus der Massenbewegung „Trend“ nicht heraus. Dabei gibt es doch so einfache Lösungen: Tauschmärkte, Kleidung durch Abänderung, Reparatur wieder tragefähig machen, Mobiliar so kaufen, dass man es immer nutzen kann, Dinge auch mal auf (echten) Flohmärkten kaufen… einfach nur mal hinterfragen, was wir wirklich brauchen.

Edit: Das Video ist nicht mehr verfügbar und daher von mir entfernt worden.

6 Comments

  1. Hallo Juna,
    sehr schöner Artikel. Es kommt vielleicht immer darauf an, welchen Vergleichspunkt ein Mensch wählt. Statt sich zu fragen, was man nicht hat, sollte man sich öfter Gedanken darüber machen, was man alles hat und so selbstverständlich hinnimmt, während andere von diesem Luxus nur träumen dürfen. Wir werfen alte Kleider oft leichtfertig weg und in der "Dritten Welt" werden diese dann auf den Märkten verkauft; viele Jugendliche dort träumen davon, sich eines Tages ein bestimmtes paar Turnschuhe vom Altkleidermarkt kaufen zu können, welches sein Vorbesitzer leichtfertig gegen ein neues, "schöneres" Paar ersetzt hat – brave new world…

  2. Ja, genau. Vielleicht liegt meine etwas andere Sicht auch daran, dass ich selbst einmal so ein träumendes Kind war. Gut, Marken waren mir schon immer egal. Ich habe offensichtlich etwas über die Zeiten gerettet, was heute viele vergessen haben. Doch nicht nur die wirtschaftliche, sondern auch ökologische Lage der Welt sollte zum Umdenken auffordern. Du selbst kennst es auch anders. Ist es nicht viel befriedigender, wenn man dem Marketingdruck widersteht? Ich selbst empfinde es als Freiheit.

  3. Geht mir auch so – vor allem bleibt man individuell und versucht nicht, diese eigene und auch wertvolle Individualität zugunsten einer vom gesellschaftlichen Trend geschaffenen Uniformität aufzugeben.

  4. NOA NOA

    Unsere Klamotten gehen zwischen meinen Toechtern immer hin und her, genauso wie die MOebelstuecke. DA sind Sachen bei, die jeder von uns schon einmal in seiner Wohnung hatte, bwz. auf dem Leib. Ich finde das toll, denn so wird immer alles bis zum SChluss genutzt.
    Beim Compi ist es bisschen anders, denn ich brauche immer einen Bekannten, der mich dabei hilft, mein System wieder einigermassen viren-fress-sicher zu machen. Und so haben wir nun auf meinem alten Lappi erfolgreich Windows xp professional installiert, (weil es G-tt sei dank noch bis 2014 oder so supported wird, muss man ja auch dran denken, dass es sicherheitsupdates gibt), nach einem Aufpeppen mit zusaetzlichem Speicher. vorher hatte ich Linux, wobei ich immer weniger damit tun konnte.
    Aber diese letzten Moeglichkeit ermoeglicht mir, dass ich mir noch keinen neuen Lappi anschaffen muss, was ich auch gar nicht koennte, und es noch ein paar Jahre rauszoegern kann.
    Lieben Gruss
    Noa

  5. Ja, das Problem mit dem Compi kenne ich auch. Ich habe das Glück, dass ich alles allein machen kann. Allerdings, wie auch im arte-Beitrag erwähnt, spielt auch immer öfter und mehr der eingebaute Verfall eine Rolle. Bei meinem Netbook z.B. habe ich wohlweislich nicht das schickere genommen, sondern eines, bei dem ich den Akku austauschen kann 😉 Und was war, nach zwei Jahren musste ein neuer Akku ran. Wie oft ich das Kabel jetzt schon gelötet hab sage ich mal lieber nicht. Aber noch klappt es.

  6. NOA NOA

    Du glueckliche, dass du das allein kannst !! Echt toll! Shavua tov meine liebe . Knoechel tut weh! Sch…ss
    Aber gleich kommt tochter (gross) die ein bisschen Klarinette lernen will, da freut sich wenigstens das mutterherz! Werde ihr ein paar Grundlagen beibringen u ihr meine Klarinette geben, bis sie sich entschieden hat, ob das das richtige Instrument f sie ist
    Shavua !!! Noa

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