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Falsche Entscheidung

Mein Morgen heute startete nicht nur zu früh (wie immer), aber auch mit einer für mich unverständlichen Nachricht. Der Martin-Gropius-Bau, renommiertes Ausstellungshaus in Berlin, schließt ab heute bereits um 19 Uhr, statt bisher um 20 Uhr. Zunächst dachte ich, dass es vielleicht mit Ausstellungsvorbereitungen zu tun habe. Aber nein. Man müsse sparen. Gut, das ist nichts neues in Berlin, aber daher weniger aufmachen? Der Gropius-Bau müsse seine Ausstellungen in Zukunft selbst tragen. Da fragt man sich dann, wo Berlin bleibt. Direkt gegenüber das Abgeordnetenhaus, vermutlich geht niemand von den Herrschaften in die Ausstellungen.

Wie dem auch sei. Sparen müssen viele Häuser. Allerdings an den Zeiten der Öffnung, und das nicht mal als Zeichen des Protestes, das ist der falsche Weg. Ein paar Bemerkungen, um vielleicht mehr Besucher ins Haus zu locken. Subjektive Gedanken sind es nur, aber Dinge, die mir oft aufstießen, wenn ich an die Ausstellungen dort denke:

  1. Eintrittspreis. Auch fünf Euro sind als ermäßigter Preis für manchen zuviel. Acht Euro regulären Eintritts lassen mehrfach überlegen. Allerdings muss man zugute halten, dass der Eintritt bis 16 Jahre frei ist. 
  2. Personal. Die Visitenkarte eines öffentlichen Hauses, ganz besonders eines Museums ist das Personal, das am Besucher selbst arbeitet. Hier hinkt der Gropiusbau vermutlich wiederum aus falschem Sparwillen hinterher. Das Personal ist unfreundlich, unwillig und vor allem – das haben sie mit der Museuminsel gemein: unwissend. Sie sind leider wirklich nur Wachleute. Werden nicht fortgebildet, nicht vorbereitet auf kommende Ausstellungen, sondern bewachen, verfolgen Besucher. Für den Besucher sind uninteressierte, gelangweilte Mitarbeiter, die u.U. auch noch unfreundlich auf Fehler aufmerksam machen ein Grund nicht mehr in das Haus zu gehen, bzw. keinesfalls dafür zu werben. Das es auch anders geht, dafür gibt es inzwischen genügend Beispiele. 
  3. Öffnungszeiten. Als arbeitender Berliner hetzt man nicht nach der Arbeit noch schnell in eine Ausstellung. Es hat Gründe, warum viele Berliner Häuser auf Zeiten bis 20 Uhr und auch länger eingerichtet wurden. Der Gropiusbau leistet sich fast als einziges großes Haus noch einen Schließtag in der Woche, was verständlich ist, denn dadurch, dass Wartungen etc. an diesem Tag durchgeführt werden können, spart man jede Menge Nachtzuschläge.
    So hat man sich nun also entschlossen, nur noch neun Stunden zu öffnen. Warum nicht erst um 11 Uhr öffnen? Die Erfahrung zeigt, dass direkt ab zehn kaum jemand kommt. 
  4. Stammbesucher. Soweit ich erkennen kann, gibt es kein Programm, um Besucher zu binden. Die schwierigsten Besucher, die die Einwohner der eigenen Stadt. Es sind keine Jahreskarten ersichtlich, keine Mitgliedschaften, die z.B. auch Kuratorenführungen für neue Ausstellungen einbinden.
  5. Website. Kurz gesagt: eine Katastrophe. Unterseite der Berliner Festspiele. Der Gropiusbau hat Stellung genug, mehr als nur eine schlecht gemachte uninformative Unterseite zu haben. Sucht man z.B. die Ticketpreise, muss man sich mühsam durch klicken. Ich fand sie erst bei den online Tickets, kurz vor der Buchung. 
  6. Veranstaltungen. Momentan keine im Angebot. Bei der momentan noch laufenden Ausstellung kaum verständlich. Eine weitere Einnahmequelle wäre auch die Vermietung von Räumen im Gropiusbau. So gibt es einen wunderschönen Kino-/ Vortragssaal, außerdem den spektakulären Lichthof, den man in ausstellungsfreien Zeiten vermieten könnte – oder sogar während laufenden Ausstellungen. Ja, es ist viel Arbeit, aber machbar! 

Kurz gesagt, der Gropiusbau erscheint mir wie ein verstaubtes Gebilde, das vor vielen Jahren stehen geblieben ist.  Inzwischen ist die Konkurrenz groß. Arbeit in einem Museum heißt alles, aber bestimmt nicht einen entspannten Job. Und der Gropiusbau hätte alles Potential, den Staub abzuschütteln. Es heißt saubermachen und nicht zumachen.

2 Comments

  1. Könnte es auch schlichtweg an dem Überangebot an Museen, sowie an den Ausstellungen im Gropiusbau liegen?
    Preislich unterscheidet es sich ja nicht wirklich von der Museumsinsel. Da es allerdings viele Museen gibt, in welche man gehen könnte, trifft man natürlich eine persönliche Auswahl und damit es mich (als Tourist) in den Gropiusbau verschlagen würde, müsste er mich schon mit einer Ausstellung locken, die mir unverzichtbar erschiene – genau das sehe ich aber leider bisher eher nicht.

  2. Natürlich liegt es auch daran. Deshalb sollten sie sich gerade dort auf Berliner konzentrieren (und hätten auch bessere Karten als die anderen Museen). Die letzte Ausstellung war wohl sehr sehr schlecht besucht – mal ehrlich, um neben der Renaissance-Ausstellung im Bode Museum Bestand zu haben, man muss sich nicht wundern.

    Sie haben es einfach schwerer, da es keine Konstante im Haus gibt, die man immer wieder besuchen kann wie eben in anderen Museen oder einfach sagen, wenn man mal in Berlin sei, sollte man da mal hingehen. Man weiß eben nicht, was kommt.

    Als außerberliner Tourist würde ich auch nicht dahingehen. Und preislich – auf der Museumsinsel bekommt man wenigstens noch ein Ticket, dass man in den anderen Häusern auch bekommt und mehr geboten wird zwangsläufig auch. Außerdem steht die Insel in jedem Reiseführer und ist Pflichtprogramm.

    Nun, ich bin gespannt…

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