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Liebe leben (?)

Per Zufall las ich von einer evangelischen Vikarin in Baden-Würthemberg, der gekündigt wurde, da sie geheiratet hatte (mehr hier). Nur das Problem war, sie hat einen Muslim geheiratet. Etwas kurios mutet die Geschichte schon an, da die Vikarin überrascht war über ihre Kündigung. Kann man wirklich leben und schon irgendwie viel mit der Kirche (als Vikarin scheint das ja wahrscheinlich zu sein) und nicht mitbekommen, dass die Kirchen bei ihrem Personal sehr restriktiv sind? Nun, wie dem auch sei. Sie hat ihre Liebe gefunden, den Mann, mit dem sie ihr Leben teilen will, den Mann, der auch offensichtlich ihren langehegten Berufswunsch unterstützt und sie hat diese Liebe zu ihm amtlich besiegelt. Wie nun weiter?
Die Kirche Berlin-Brandenburg- schlesische Oberlausitz stellt sie ein. Man sähe es hier nicht so eng. Nun, ich habe ein paar Freunde im Dienst des nicht so engsehendem Arbeitgebers. Eine Freundin wollte ins Vikariat. Von ihr wurde verlangt, dass sie ihren Freund heiratet, sonst dürfe sie nicht. Damals lebten sie nicht mal zusammen. Sie hat ihn nicht geheiratet, erst jetzt, Jahre später. Solange arbeitete sie „nur“ als Gemeindepädagogin. Wenigstens das war gestattet. Und ein weiterer Freund, der die Toleranz der Kirche auf den Prüfstand stellte, er wollte eine Stelle, in der er weiter mit seinem Freund zusammen leben könne. Das ging nicht – getrennt wohnen wäre indes in Ordnung gewesen. Inzwischen ist auch er im Dienst – allerdings besteht auch besagte Beziehung nicht mehr. Was ist, wenn er sich wieder verliebt steht in den Sternen.
Wir werden also sehen, ob man mit muslimischen Gatten auch wirklich in den Pfarrdienst selbst darf, oder ob es auch beim Vikariat endet.
Privat finde ich es ziemlich egal, mit wem und ob überhaupt mein Rabbi, Pfarrer, Imam verheiratet ist. Wir reden immer von Toleranz aber die religiösen Instanzen scheinen es nicht zu leben und leben zu lassen. Das ist allerdings meine ganz persönliche Meinung.

4 Comments

  1. IWe IWe

    In der EKBO hat sich bereits eine Pfarrerin durchgekämpft, die seit Jahren mit einem Muslim verheiratet ist. Von daher ist davon auszugehen, dass die Vikarin auch nach Beendigung ihres Vikariats eine Daueranstellung bekommen kann.

    Vor zwanzig Jahren allerdings war es noch nicht einmal statthaft, einen jüdischen Ehepartner zu haben.

  2. Danke für die Info. Dann gibt es ja Hoffnung. Ich bin gespannt.

  3. NOA NOA

    Ich war vor 20 Jahren bei einem kirchlichen Traeger beschaeftigt, (ein Heim fuer lernbehinderte Maedchen) Damals war ich frisch geschieden, der Personalchef meinte, es sei schon sehr revolutionaer, dass sie mich ueberhaupt einstellten, aber ich solle besser nichts von einem neuen Freund erzaehlen. Sollte ich aber nochmal heiraten, so sagte er mir, er koenne schon sagen, dass das meine sofortige Kuendigung nach sich ziehen wuerde. (1991 war das ungefaehr)
    Noa

  4. Sowas ähnliches ging ja vor einer Weile schon herum. Da wurde eine Frau, die jahrelang ehrenamtlich für den (kirchlichen) Kindergarten arbeitete nicht eingestellt, weil ihr Mann schon mal verheiratet war. Daher wunderte es mich etwas, dass besagte Vikarin so überrascht war. Diese Geschichten gibt es zuhauf – mich eingeschlossen. Ich durfte auch nicht mehr in einem Wohnheim arbeiten, weil ich mich weigerte, mich taufen zu lassen. Dabei hatte ich die christlichen Lehren wesentlich besser drauf als andere Mitarbeiter. Egal, ich wünsche der angehenden Pfarrerin einfach nur alles Gute und Liebe in ihrem Leben und dass sich ihr Berufswunsch erfüllen wird – und sie auch von ihrer Gemeinde akzeptiert wird.

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