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Frei

Er ist frei, soweit man nach so langer Gefangenschaft frei sein kann. Gilad Shalit wird in den nächsten Stunden wieder zuhause sein – wirklich zuhause, mit seiner Familie. Dem zuhause, dem er als Teenager entrissen wurde. Die letzten Tage war man nicht nur in Israel unruhig. Als die Kunde der möglichen Freilassung die Runde tat, waren auch die jüdischen Freunde um mich herum und jeder sonst, der Anteil nahm, der ihn nicht vergessen hat, der die Entführung nicht als gerechtfertigt abtag (schließlich war er ja Soldat) nervös. Würde er wirklich am Leben sein? Wird er gesund sein?

Ich hoffe so sehr, dass die Welt ihm die Zeit gibt, die er braucht. Dass sie die Familie in Ruhe lassen. Ihn ankommen lassen und die Schritte gehen, die er gehen möchte. Dass niemand sich ein Exlusivrecht erkaufen will und ihn von Interview zu Interview schleppt. Lasst ihn versuchen zu heilen, wenigstens ein wenig, soweit er das überhaupt kann. Und gebt der Familie die Zeit, sich wieder aneinander zu gewöhnen, an ein neues Leben, das auch nicht mehr so sein wird, wie vor fünfeinhalb Jahren. Er ist zuhause, aber er wird nie wieder der selbe sein.

Ich selbst fühle Entspannung, irgendwie auch wieder eine kleine Hoffnung keimen auf  Frieden. Aber mein Verstand sagt mir, solange die Ansichten zu einem Menschenleben so konträr sind, wird man keine gemeinsame Sprache finden.

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