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Wahlkampf auf Hochtouren

Bald wird in Berlin wieder gewählt. Die Stadt ist zugepflastert mit Plakaten. Phantasie scheint keine der beauftragten Werbeunternehmen zu haben. Kurz, Spaß macht es derzeit nicht, an den immer gleichen Gesichtern vorbeizufahren, die sich nur durch das Parteikürzel zu unterscheiden scheinen.Wenig auffällig ein Plakat mit einem bieder, langweilig anmutendem Menschen. Die Farbwahl so schlecht, dass man vermutlich darüber hinwegsehen würde – ihn nicht bemerken würde. Das hat jetzt offensichtlich auch die eilig gegründete Partei gedacht und hat (wieder) den Mann eingeladen, dem man zu Füßen liegt und dessen erstmalige Einladung Grund für den Ausschluss des biederen Mannes auf den Plakaten aus seiner ursprünglichen Partei war. Die Auftritte des „Helden“ werden geheim gehalten und nur kurz vorher ausgewählten Interessenten mitgeteilt. Da ich nicht interessiert bin, erfuhr ich auch erst durch die Medien, dass es glücklicherweise auch einige erfuhren, um sich dagegen aufzulehnen und gegen den Auftritt Wilders in einem Hotel nahe dem Bendlerblock (welch ein Hohn) demonstrierten. Gern wäre ich dabei gewesen. Es gibt wenig, was mich wirklich aufregt. Die Blauäugigkeit aber, mit der dieser Mann betrachtet wird, kostet mich mitunter den Schlaf. Nein, ich lasse mich nicht darüber hinwegtäuschen, wenn er sagt, er liebe Israel und man muss Israel und die Juden schützen. Leider gibt es zuviele Menschen, die sich dadurch blenden lassen und nicht wirklich lesen und zuhören, was er von sich gibt.Seinen kürzlichen Freispruch feiert er als Sieg. Dass er aber vom Richter dennoch gemaßregelt wurde verschweigt er selbstverständlich und die Fans hier machen sich nicht die Mühe, sich eingehend mit dem Programm der Partij voor de Frijheid zu beschäftigen. Sein Ziel ist es unter anderem in allen europäischen Staaten Ableger seiner Partei zu gründen, was nun in Deutschland geschehen ist.Nur leben auch diese sehr offensichtlich, wie ihre Mutterpartei nur von diesem einen Mann.  Man darf hoffen, dass der gelegentliche Besuch des auffälligen Menschen mit arisch korrektem Haar nicht über die wenig politisch talentierten Fähigkeiten seines nun als Spitzenkandidat auftretenden Anhängers hinwegtäuscht. Sätze wie „Der Islam bedeutet Unfreiheit und Unterdrückung“ zeigen ein plakatives rattenfängerisches Bild, das zu keiner Differenzierung fähig ist.Ja, ich habe mich wieder aufgeregt. Habe nach dem „Konsum“ der Rede Wilders vor seinen deutschen (und israelischen) Fans erneut das Parteiprogramm studiert. Mit Freunden in den Niederlanden diskutiert und resümiere wiederum: Blinder Gefolgsam ist gefährlich. Denken strengt zwar an, doch kann es zu gesunden Erkenntnissen führen.

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