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Berlingedanken

Das Leben in Berlin wird der Zeit nicht angenehmer. War es früher die Berliner Schnodderigkeit, die die Menschen von außerhalb erschütterte, so ist es heute (zurecht) die immer aggressivere Gangart der Bevölkerung. Zugezogene vermögen nicht den Unterschied zu erkennen, finden es vermutlich ganz normal in einer Großstadt und passen sich dem mehr als gut an. Das ist fatal.War es früher noch so, dass die nicht Eingeborenen über Berlin schimpften und sich beklagten in dem Sinne, dass man doch hier nicht leben kann, so schrecklich, dreckig, laut sei es. So ist es heute so, dass sich niemand mehr beklagt, obwohl es heute tatsächlich genügend Grund dazu gäbe.Rücksichtslosigkeit ist das Wort, das mir am häufigsten in den Sinn kommt. Ich weiß von genügend Freunden, die unter vier Augen zugeben, wie unglücklich sie hier sind, sich nicht zuhause fühlen können. Doch nach außen wird mitgeschwommen im Fluss der Selbstdarsteller, Oberflächlichkeiten, Markenpräsentation.Wenn ich mich selbst daüber beklage, was hier zum Schlechteres verändert ist, so bekomme ich entgegnet, dass es hier ja doch noch gut sei im Vergleich zu anderen Städten (Mieten etc.). Aber ist das wirklich ein Argument? Muss es denn erst so werden wie in Amsterdam, New York, Paris? Ist es wirklich erstrebenswert? Ich finde nicht. Ich hoffe sehnsüchtich darauf, dass die unglücklichen Menschen sich dieses Unglück selbst zugeben und den Fluss verlassen. Dann ertrinken sie nicht und können vielleicht auch einmal sich selbst kennenlernen, anstatt nur das zu sein, von dem sie denken, es würde erwartet.

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