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Berlin steht still

…so heißt eine Initiative, die inzwischen über die Grenzen der Stadt hinweg zu gehen scheint. Berlin wird an diesem Samstag still stehen – 12:00 Uhr, eine Minute. Der öffentliche Personennahverkehr wird stoppen und auch andere Einrichtungen werden für diese eine Minute innehalten. Innehalten wofür? In Erinnerung an etwas, was inzwischen zu oft bagatellisiert wird, was schöngeredet wird, verteidigt und völlig verdrängt: die Teilung dieser Stadt und Deutschlands. Die Wunden sind noch nicht verheilt, auch, wenn Touristen die Spuren der Mauer in Berlin nicht mehr sehen. Wer die Augen offen hält sieht sie noch, findet Reste der Mauer auch abseits der Gedenkstätten. Und vor allem und leider findet er sie noch immer viel zu viel in den Köpfen der Menschen.

Die Bernauer Straße wird gesperrt werden, dieses Symbol der Teilung der Stadt. Die Gedenkstätte Berliner Mauer, die das Thema nicht in ein Disneyland der Mauer umwandelt hat mit vielen Partnern ein Programm geplant, das vielleicht in seinem Umfang ein Zeichen setzen kann. Ein Zeichen dafür, was diese Mauer wirklich war. Sie war kein Spielplatz seltsamer Eitelkeiten. Sie war der Ort, an dem Menschen ihr Leben ließen, nur, weil sie frei sein wollten. Ein Umstand, den sich heute kaum jemand mehr vorstellen kann. Ungläubige Blicke erntet man, wenn man sagt, dass z.B. die Berufswahl eben nicht frei war. Noch immer denke ich daran, was aus mir geworden wäre, wenn dieses Wunder des Mauerfalls nicht passiert wäre. Ich mag nicht daran denken. Ich denke, ich hätte früher oder später die Schritte in die Freiheit gehen müssen – ob ich sie überlebt hätte weiß ich nicht.
Ich bin mir wohl bewusst, dass ich in meiner Generation ein Einzelfall bin mit meiner Meinung – Geschichte prägt, Kindheit prägt…und auch, wenn heute das Überleben viel Kraft kostet, auch, wenn man manchmal nicht weiß, wie es weitergehen soll, so ist doch alles besser als das, was hätte sein können. Ich bin dankbar für mein Leben, wie ich es leben darf, ich bin auch demütig ob diesen Geschenks. Unkritisch allerdings bin ich nicht…denn wir haben hier auch eine Freiheit, die es vorher nicht gab, Meinungsfreiheit.

So werde ich mich am 13. August, zum 50. Jahrestag des Mauerbaus zur Bernauer Straße begeben…(bevor es weiter zur Arbeit geht)…

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